Authentisch fühlt sich anders an. Etwas unbehaglich stehe ich da, schaue auf die Männer und Frauen, die sich vor uns aufgestellt haben. Sie führen für uns den traditionellen Willkommenstanz auf. Sie fordern uns auf, mitzutanzen, aber ich halte mich lieber im Hintergrund. Die Massai-Männer sind in Rot gekleidet, die Frauen tragen blaue Kleidung. Die Männer stimmen ihren Gesang an, fangen an zu springen, die Frauen stimmen mit ein. Was sie wohl singen?

Massai Tanz

Zu Besuch bei den Massai: Willkommenstanz

Massai Tanz

Massai-Frauen beim traditionellen Tanz

Massai Frauen

Massai-Frauen

20 Dollar haben wir bezahlt, um das Massai-Dorf zu besuchen. Es liegt in der Ngorognoro Conservation Area und besteht aus kleinen Hütten aus Ziegenfell, Karton und getrocknetem Kuhdung. Bereits auf dem Weg zum Dorf haben wir Massai-Hirten mit ihren Herden gesehen. Aber hier gilt: Fotografieren ist nicht gern gesehen. Dazu sollen Touristen wie wir die Massai-Dörfer besuchen und  20 Dollar bezahlen. Dann werden wir aufgefordert: „Ask as many questions as you can. Take as many pictures as you want.“ Der Tanz geht langsam dem Ende zu.

Massai Tanz

Junge Massai beim Tanz

Wir werden zur Schule geführt, wo die ganz Kleinen unterrichtet werden. Sie sagen uns das Alphabet auf, schreiben etwas an die Tafel, singen noch ein Lied. Die Schule ist nur eine einfache Hütte, mit Tafel und kleinen Schulbänken. Die größeren Kinder müssen kilometerweit in eine andere Schule gehen: 3 Stunden Fußmarsch. Wer noch etwas für die Schule spenden möchte, kann das jetzt tun. Dann gehen wir weiter.

Massai Schule

Zu Besuch in der Schule der Massai

Unsere Gruppe wird jetzt in Pärchen unterteilt, jedes Pärchen einem Massai zugeteilt, der uns ins Innere einer Massai-Hütte führt. Ich frage mich, wie die einzelnen Dorfbewohner zu diesen touristischen Besichtigungen stehen. Sehen die Massai diese Rundgänge einfach als gute Möglichkeit, Geld zu verdienen, um das lebensnotwendige Wasser zu kaufen? Oder ist es ihnen zuwider? Oder vielleicht beides?

Massai Dorfbesichtigung

David, ein junger Massai, zeigt uns eine traditionelle Hütte.

Massai Familie

Die Boma, die Hütte der Massai, bietet Platz für vier bis fünf Menschen.

Massai Boma

Massai vor den traditionellen Hütten

Im Inneren der Hütte gibt es zwei kleine Schlafstellen: eine etwas größere für die Eltern, eine kleinere für die Kinder. In der Mitte ist eine Feuerstelle, wo das Essen zubereitet wird und die die Hütte erhellt. In der Decke gibt es eine kleine Luke, wo das Licht einfallen kann. Wir hocken uns hin, aufrecht stehen können wir in der Hütte nicht. Die Massai essen Fleisch, trinken Milch und Blut. Das sind ihre Hauptnahrungsmittel. Bananen essen sie nicht: „Bananas are not good for the Massai men“. Warum verstehe ich nicht, aber es ist eine andere Kultur: Stärke und Kraft tanken die Massai-Männer durch das Blut ihrer Rinder. Auf Sansibar erfahren wir, dass im 19. Jahrhundert vor allem die Massai als Sklaven eingefangen wurden, weil sie großgewachsen und stark sind. Verschifft wurden sie dann nach Amerika, um dort auf den Plantagen zu arbeiten.

Massai Männer

Massai

Massai

Massai in der Ngorongoro Conservation Area

Die Massai-Männer in diesem kleinen Dorf kümmern sich um die Rinderherden. Je mehr Rinder ein Mann besitzt, umso reicher ist er – und umso mehr Frauen kann er sich leisten. Mit Speer, Buschmesser und Schild verteidigt der Mann das Dorf, Kühe und Ziegen gegen wilde Tiere, die sich zu nahe an die Hütten heranwagen. Das Haus ist Frauensache. Die Frauen stellen auch den Schmuck her, der nach der Dorfbesichtigung an den Tourist gebracht werden soll.

Wie viele Familien in diesem Dorf leben, möchte ich wissen. Eine Familie und 120 Menschen, ist die Antwort. Eine Familie? Ich frage noch mal nach, weil ich noch glaube, mich verhört zu haben. Wieder wird mir bewusst, wie anders das Leben hier ist. Mit ca. 13 Jahren werden die Massai-Jungen ausgesetzt. Die Tradition besagt, dass sie sich jetzt so lange alleine durchschlagen müssen, bis sie einen Löwen getötet haben. Dann gehören sie zu den stolzen Massai-Kriegern. Auf der Fahrt durch die Conservation Area begegnen auch uns einige dieser jungen Massai mit ihren weiß bemalten Gesichtern.

Im Anschluss an den Dorf-Rundgang bieten die Massai-Frauen noch selbstgemachten Schmuck zum Kauf an. David, der Massai, der uns die Hütte gezeigt hat, führt uns zum Stand der Frau, der die Hütte gehört. Ein Schmuckständchen reiht sich an das andere, Kettchen und Armbänder sind nebeneinander aufgereiht.

Natürlich sind für die Massai, da bin ich Realistin, solche Führungen nichts weiter als ein Geschäft. Sie investieren das Geld in Wasser, das sie so dringend brauchen, vielleicht auch in die Schule – und das ist gut so. Im Gegenzug führen sie ihren traditionellen Tanz auf, zeigen den Touristen ihr Dorf und das Innere ihrer Hütten.