München war für mich bisher nur Zwischenstopp auf einer Reise: entweder ging es mit dem Zug weiter, meist aber mit dem Flugzeug. Die Stadt selbst ging irgendwie immer an mir vorbei. Und wäre nicht Elisabeth gewesen, wäre München wohl immer noch nicht viel mehr als Flughafen für mich. Dabei hat München viel zu bieten, abseits von Theresienwiese und Oktoberfest.

Grund für meinen Besuch war die Aufführung von Elisabeth, das Musical, im Deutschen Theater in München. Schon als Mädchen faszinierte mich Sisi, wobei die Romy-Schneider-Filme daran sicher nicht ganz unschuldig waren. Und bei den Liedern vom Musical Elisabeth, mit Pia Dowles als Elisabeth und Uwe Krüger als Tod, konnte ich mitsingen. Einmal das Musical live miterleben, das war schon lange mein Traum. Also buchte ich die Karten fürs Musical – und ein Wochenende in München gleich mit.

Zu jeder Stadt gehört für mich Treppensteigen unbedingt dazu. Vorab informiere ich mich, wo es denn die schönste Aussicht über die Stadt gibt und dann geht es fast immer rauf auf einen Turm. In München will ich vom Alten Peter über die Dächer der Stadt hinwegschauen. Die Aussicht von oben auf die Frauenkirche, das Rathaus und den Marienplatz ist auch jede der 306 Stufen wert. Obwohl ich schon oft auf Türmen, Aussichtsplattformen und Stadtmauern war: München ist anders. Beim Runtergehen stehen die Menschen Spalier, bis beinahe zur Hälfte des Turms zurück staut sich der Besucherandrang. „Lohnt es sich denn?“ Meine ehrliche Antwort ist ein einfaches Ja: Ja, es lohnt sich. Aber lohnt sich eine schöne Aussicht nicht immer, auch wenn man eben warten muss?

Der Weg führt uns weiter ins Deutsche Museum, das meistbesuchte Museum Deutschlands. Warum, das weiß ich leider auch nach meinem Besuch nicht so genau. Das Museum mag vor Jahren modern gewesen sein, heute muten die alten PCs eher etwas armselig an. Meine Highlights: die Abteilung Schiffsbau und die Aussicht von den Terrassen.

Am Abend geht es dann zum Musical, dem eigentlichen Grund unseres München-Besuchs. Meine Schwester schraubt die Erwartungen zurück: Wir sollen uns besser nicht zu viel erwarten. Wer weiß, wie nahe das Musical am Original ist und Pia Dowles und Uwe Krüger stehen ja nicht auf der Bühne. In der Zwischenpause sind wir uns einig: Die Darsteller, die Kostüme, das Bühnenbild – wir sind begeistert. Mark Seibert glänzt in der Rolle als Tod. Etwas weniger begeistert bin ich von der Elisabeth-Darstellerin.

„Wie wär’s, wenn wir noch auf den Rathausturm gehen würden?“, schlägt meine Schwester am nächsten Tag vor. Ich bin sofort dabei. Falls am Sonntag überhaupt offen ist. Im Zentrum werden wir von Sicherheitskräften aufgehalten. Wir müssen den Inhalt unserer Taschen zeigen. Was ist denn heute los? „Eine Meisterschaftsfeier.“ Und dann sind wir mittendrin, mittendrin in einem Meer aus Bayern-München-Fans, die Fähnchen schwingend, singend und feiernd auf die Ankunft ihrer Stars wartet. Und wir warten mit. Die Begrüßung auf dem Rathausbalkon verpassen wir aber, weil der Bus wartet und unser Wochenende in München zu Ende geht.