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Taschkent: Die Stadt, die kein Schlicht kennt

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Breite Alleen, großzügige, ja verschwenderische Parkanlagen, gewaltige Springbrunnen: “Schau mich an! Schau, was ich mir leisten kann!”, scheint Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans, zu rufen. Nichts erinnert in der Neustadt an das etwas graue und heruntergekommene Bild von Bishkek, der Hauptstadt von Kirgistan. Statt Müll ist es hier das Sattgrün des Rasens, das das Bild bestimmt. In der Luft hängt der Duft von Basilikum. Ein paar Männer rechen die Blätter zusammen und tragen sie in großen schwarzen Säcken davon, Gärtner setzen neue Blumen, dazwischen Basilikum. Auf dem Unabhängigkeitsplatz versammelt sich eine Schulklasse, die im Slalom durch die Säulen des enormen Bogens hindurch läuft, der den Platz bestimmt. Dahinter liegt das Kongressgebäude. Ein paar Schritte weiter, und wir stehen vor dem Freiheitsdenkmal: einer Mutter, die ihr Kind in den Arm hält, darüber die Erdkugel mit Usbekistan.

Großzügig ist auch die Fußgängerzone, die neu entstehende Einkaufsstraße, das Museum für angewandte Kunst mit seiner türkisen Kuppel. Nach all dem Prunk bin ich vom Amir-Timur-Park fast etwas enttäuscht: in der Mitte die Reiterstatue Amir Timurs, aus allen Himmelsrichtungen führt ein gepflasterter Weg auf die Reiterstatue zu.

Ein Abstecher in die U-Bahn-Stationen zeigt, dass Taschkent sich auch im Untergrund treu bleibt. Kunstvolle Bögen tragen die Metro-Stationen, aus kreativen Lampenkonstruktionen fällt Licht auf die Gleise, das beherrschende Thema: die Baumwolle, der Reichtum des Landes. Und die Metro-Stationen der Stolz der Taschkenter. Ein Polizist, der den Eingang zur U-Bahn bewacht, fragt uns, ob die Taschkenter Metro nicht wunderschön ist. Wir stimmen zu. Schade nur, dass in der Taschkenter Metro Fotografierverbot herrscht. Unser Highlight aus dem Untergrund: die Metro-Station Alisher Navoiy.

Was Medresen, Moscheen und Mausoleen angeht, mag Taschkent mit Chiwa, Buchara und Samarkand nicht mithalten können. Doch wer wie wir die Reise durch Usbekistan in der Hauptstadt beginnt, der ist eben doch beeindruckt von dem, was die Taschkenter Altstadt zu bieten hat. Und obwohl ich nach einer 12-stündigen Fahrt mit dem Nachtbus von Bishkek nach Taschkent noch geschafft bin und das Herumirren durch das Gassengewirr der Taschkenter Altstadt noch das seine dazu tut, bin ich beim Anblick der Medrese Barak Chan und des Mausoleums Kaffal-Shashi wieder voller Energie. Ich ahne, was mich die nächsten Tage in Usbekistan erwarten wird: der Zauber aus 1.001 Nacht. Die Neustadt in Taschkent ist ein Gegenpol dazu: Die Größe vergangener Tage trifft auf die Zurschaustellung der Macht von heute.

2 Kommentare

  1. Hallo Michi,

    lese mich gerade völlig begeistert durch deine Artikel zu Kirgisistan und Usbekistan.
    Plane im August/September eine 4 wöchige Reise durch die beiden Länder, wobei ich in Kirgisistan landen werde, da der Flug dorthin einfach deutlich günstiger ist!

    Bei der Reise Recherche bin ich nun auf deine super Artikel gestoßen und habe nun ein paar Fragen an dich, als Profi ;)

    Erstens- wie lange warst du denn insgesamt unterwegs? Habe jetzt vier Wochen ungefähr und frage mich, ob das für beide Länder in etwas ausreichend ist?
    Außerdem wollte ich fragen, wie und wo du dein usbekisches Visum beantragt hast? Schon in Deutschland? Für Kirgisistan braucht man ja keins, soweit ich das weiß… Und wie hat das mit der Überfahrt nach Usbekistan geklappt? Gab es da Probleme an der Grenze?

    Außerdem habe ich noch allgemeine Fragen zur Unterkunft- gibt es denn hostels oder ähnliches, bzw. wie seid ihr beiden denn auf der Reise immer untergekommen?
    Und mit wie viel Geld sollte ich denn ungefähr rechnen auf meiner vier wöchigen Tour? Wie viel kosten die Unterkünfte? Und das Reisen an sich? und die Lebensmittel? etc. pp.

    Fragen über Fragen.. würde mich sehr über eine Antwort freuen.
    Und danke nochmal für diesen tollen Blog!

    Liebe Grüße Sina

    • Hallo Sina,

      danke für deinen lieben Kommentar! :-)

      August/September ist eine gute Reisezeit für die beiden Länder: Im August ist es in Kirgistan noch recht angenehm und im September in Usbekistan nicht mehr extrem heiß. Wir hatten allerdings nur drei Wochen Zeit für beide Länder: je zehn Tage in jedem Land. Für Usbekistan (Chiwa, Buchara, Samarkand, Taschkent) fand ich die Zeit ausreichend. Möchtest du allerdings einen Abstecher zum Aralsee machen, musst du mehr Zeit einplanen. Ich würde dir allerdings dazu raten, mehr Zeit in Kirgistan zu verbringen. Wir mussten uns aus Zeitgründen auf den Osten des Landes beschränken, dabei wären Toktogul, der Bergsee Sary-Tschelek und die Osch-Region sicher auch sehenswert.

      Kirgistan ist auch günstiger als Usbekistan. Wir haben für die zehn Tage in Kirgistan pro Kopf in etwa 400-500 Euro ausgegeben, wobei die Touren zum Kol-Suu und zum Songköl am teuersten waren. Übernachtet haben wir in Hostels, Jurten und Homestays, in Usbekistan in Hotels. In Usbekistan ist der Preis immer eine Verhandlungssache, egal ob es um den Eintritt in eine Medrese, eine Taxifahrt oder eine Hotelunterkunft geht.

      Das Visum für Usbekistan musste ich in Rom beantragen, da ich in Südtirol lebe. Ich würde das Visum auf alle Fälle vorab beantragen. Sicher ist sicher. Wir sind mit dem Nachtbus von Kirgistan über Kasachstan nach Usbekistan eingereist. Die Kontrollen waren zwar etwas mühsam, aber problemlos. An der usbekischen Grenze mussten wir die Zolldeklaration ausfüllen. Ein- und Ausreise waren viel leichter als erwartet, wobei ich auch von anderen Erfahrungen gehört habe.

      Wünsche dir eine wunderschöne Zeit in den beiden Ländern!

      LG
      Michi

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