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Am Song Kul See: Ein Tag und eine Nacht in der kirgisischen Hochebene

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Es ist Ende August. In der Nacht sinken die Temperaturen am Song Kul schon unter Null Grad und der erste Schnee ist bereits gefallen. Die Nomaden, die auf 3.000 Metern ihr Sommerlager, ihr Jailoo, aufgeschlagen haben, bauen ihre Jurten ab und ziehen für die Herbst- und Wintermonate zurück ins Tal.

Song Kul Am Ufer des Song Kul

Wir beziehen ein Jurtencamp am Song Kul, dem zweitgrößten Bergsee in Kirgistan. Der See ist auf jeder Tour durch Kirgistan ein Fixpunkt bei Backpackern und Pauschalreisenden. Wir buchen unsere Tour beim CBT-Büro (Community Based Tourism) in Naryn. Von Naryn wollen wir über den Papageienpass zum Song Kul fahren, zwei Nächte am See bleiben und danach weiter nach Kochkor fahren. Wir gehen stillschweigend davon aus, dass die Auffahrt von Naryn über die Papageienstraße erfolgt. Doch der Fahrer schlägt einen anderen Weg ein, fährt Richtung Ak-Tal und von dort über zahlreiche, langgezogene Kehren hinauf in die Hochebene. Und dann zeigt er sich uns unter einem strahlend blauen Himmel: der Song Kul See. Am Ufer des Sees grasen Schafe und Pferde. Nomaden galoppieren über die Hochebene. Wir beziehen unsere Jurte, die mit vier Betten und einem Ofen bestückt ist. Dann wartet auch schon ein gemeinsames Mittagessen auf uns: frischer Fisch direkt aus dem See. Am Mittagstisch in einer eigens dafür vorgesehenen Jurte sind Reisende und Einheimische versammelt: Weltreisende aus Japan, ein Biker aus Frankreich, unsere kirgisischen Taxifahrer und die Gastgeber-Familie.

Ak-Tal Song Kul Passstraße vom Ak-Tal zum Song Kul See

Jurtencamp Song Kul Jurtencamp am Song Kul See

Am Nachmittag wandern wir am Ufer des Song Kul entlang, steigen dann auf eine Anhöhe, um den See von oben zu sehen und schauen zu, wie die Sonne langsam untergeht und die Wasseroberfläche in der letzten Abendsonne glitzert. Der Song Kul scheint die Kirgistan-Reisenden etwas zu spalten: Während die einen von einem landschaftlichen Höhepunkt ihrer Reise schwärmen, ist er für andere landschaftlich nicht besonders reizvoll. Für mich liegt die Wahrheit dazwischen, aber nach dem Tag im Ak-Sai Tal und beim Kol-Suu See hat der Song Kul keinen leichten Stand. Abends erwartet uns eine klare Nacht: Die Sterne funkeln mit dem Mond um die Wette. Leider ist mir viel zu kalt, als dass ich das nächtliche Spektakel richtig genießen könnte. Wir ziehen uns schon bald in die Jurte zurück. Ich schlüpfe unter die Decke, in der Hoffnung, bald einzuschlafen und in der Nacht nicht aufzuwachen, damit ich mir nicht den Weg zum Plumpsklo bahnen muss. Aber natürlich kommt es nicht wie gewünscht. Ich friere, trotz Decken und trotz der Schichten, die ich nach und nach anziehe. Auch mein Freund kann kaum schlafen, aber nicht wegen der Kälte. Ihm macht die harte Pritsche zu schaffen. So entscheiden wir, nur eine Nacht am Song Kul zu verbringen.

Schafe Song Kul Weidende Schafherde am Song Kul See

Esel Song Kul Abendstimmung an Kirgistans zweitgrößtem Bergsee

Für den zweiten Tag haben wir einen Ausritt geplant. Mein Pferd will aber nicht so, wie ich will und es merkt wohl auch, dass ich keine erfahrene Reiterin bin. Also kann man ja mal stehen bleiben oder den Rückweg antreten. Ich tausche meinen störrischen Hengst gegen ein gemütlicheres Pferd und meine Anspannung legt sich etwas. Wir reiten auf eine Anhöhe mit Blick über den See, durch steiniges Gelände und vor allem reiten wir nicht zu schnell. Dem jungen Nomaden, der uns begleitet, geht es wohl eindeutig zu langsam und ich bin froh, dass wir nur einen Zwei-Stunden-Ritt statt des ursprünglich geplanten Halb-Tages-Ritts vereinbart haben. Trotzdem wächst während des Ritts mein Entschluss, wieder daheim, unbedingt Reitstunden zu nehmen.

Ausritt Song Kul Blick über Weideland und Bergsee während unseres Ausritts am Song Kul

Und so geht unsere Zeit am Song Kul zu Ende. Wir steigen wieder ins Taxi und fahren am Song Kul entlang zum Ostufer des Sees. Die Straße führt durch die Berg- und Almlandschaft rund um dem kirgisischen Bergsee Richtung Tal und weiter nach Kochkor. Im Vergleich zur Auffahrt ist die Fahrt nach Kochkor aber weniger spektakulär.

Song Kul Kochkor Es geht wieder talwärts: Auf dem Weg vom Song Kul See nach Kochkor

Praktische Infos für einen Ausflug zum Song Kul See:

Kosten für die Fahrt von Naryn zum Song Kul und weiter nach Kochkor: 4.000 Som. Wer als Start- und Endpunkt der Tour denselben Ort wählt, zahlt 3.500 Som. Hinzu kommen Verpflegung und Unterkunft sowie Verpflegung und Unterkunft für den Fahrer. Ausritte kosten separat. (Stand: August 2015)

Die Tour kann über die CBT-Büros in Naryn oder Kochkor gebucht werden. Alternativ kann man in Kochkor oder Naryn auch ein Taxi nehmen.

3 Kommentare

  1. Auch wenn du nicht restlos von kirgisischen Hochebene überzeugt bist, die Fotos sind toll! Ich kann dich aber durchaus verstehen, dass du nur eine Nacht geblieben bist, denn mir geht es genauso, wenn ich nicht richtig schlafen kann ist alles nur halb so schön…

    • Danke! :-) Die Gegend ist schön, nur die Kälte steckte mir dann doch etwas in den Knochen. Für den Song Kul See ist Ende August auch schon etwas spät…

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