Wohin wird mich meine Reiselust in diesem Sommer führen? Kanada, Island, Südafrika? Alles hört sich einfach fabulös an und ich habe wieder einmal die Qual der Wahl. Ich entscheide mich nach einigem Grübeln für einen zweiwöchigen Sprachurlaub auf Sizilien, der größten Insel des Mittelmeers. Die reiche Geschichte, bezaubernde Landschaften, gutes Essen und die Lebenslust der Sizilianer locken. Ich freue mich riesig darauf, die Insel zu entdecken.

Taormina

Taormina

Anfang August geht es los. Ich fliege von Verona nach Catania, von dort geht es weiter mit dem Bus nach Taormina. Es ist heiß, ich bin müde, meine Gedanken schweifen ab. Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt erreichen wir Taormina, eine Berg- und Touristenstadt mit rund 10.000 Einwohnern. Peppe und Maria, meine Gasteltern, empfangen mich am Bahnhof. Und weiter geht in die Via Corrado Cagli, die Appartementsiedlung mit rosa Anstrich wird für die nächsten zwei Wochen mein Zuhause sein. Ich verliebe mich sofort in die wunderschöne Aussicht, die die Terrasse meiner sizilianischen Gastfamilie freigibt: Dort unter mir liegt Taormina, das in der Vergangenheit immer wieder bekannte Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Marlene Dietrich oder Woody Allen anzog. Ich erblicke Europas höchsten und aktivsten Vulkan, den Ätna, der in den letzten Jahren immer wieder Magma und Lava gespuckt und dabei seine zerstörerische Kraft gezeigt hat. Abends, beim Essen auf der Terrasse, sehe ich das Flimmern der Lichter, die von Siziliens Ostküste kommen. Dass während des Sommers in Sizilien die Tage lang und die Nächte kurz sind, erfahre ich noch am ersten Abend, als wir nach dem späten Abendessen bis weit in die Nacht den sanften Klängen eines Jazzkonzerts im Botanischen Garten lauschen.

Botanischer Garten Sizilien

Im Botanischen Garten

Die Sprachschule im Zentrum von Taormina entpuppt sich als kleines Juwel. Die kleinen Klassen, kompetente und lustige Lehrer und eine entspannte Atmosphäre machen das Lernen angenehm. Der schattenspendende Garten mit Zitronen- und Orangenbäumenist ein Traum, dort wird nicht nur gelernt, sondern auch viel gelacht und philosophiert.

Piazza IX Aprile Taormina

Auf der Piazza IX Aprile in Taormina

Sizilien hat eine reiche Geschichte. Griechen, Römer, Araber, Normannen und andere Völker haben die Geschicke der Insel bestimmt. Ausgrabungsfunde in Giardini-Naxos, eine Vielzahl von Tempeln in ganz Sizilien oder das Teatro Greco in Taormina erinnern an die Griechen, die die Insel bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. besiedelten. Zahlreiche Bauten wie der imposante Dom in Cefalù gehen auf die Herrschaftszeit der Normannen im Hochmittelalter zurück, die von einer regen Bautätigkeit geprägt war. Aber auch die Präsenz der Araber im Mittelalter ist noch sichtbar, z. B. im Kreuzgang von Monreale, der von arabischen Handwerkern angelegt wurde, oder in vielen Ortsnamen, die arabischen Ursprungs sind. Der Name der Stadt Marsala leitet sich vom arabischen Marsa Al Allah (Gottes Hafen) ab.

Normannendom Cefalù

Normannendom in Cefalù

Unweit der Sprachschule befindet sich das Teatro Greco, ein 2200 Jahre altes griechisches Theater, wo noch heute regelmäßig Konzerte und Opern aufgeführt werden. Die Kulisse ist traumhaft, deshalb komme ich gleich zweimal hierher: einmal bei Tag, um das Theater und seine Geschichte kennenzulernen und die fantastische Aussicht zu genießen, ein anderes Mal abends, um mich bei der Aufführung der „Carmina Burana“ von der großartigen Akustik zu überzeugen.

Teatro Greco Taormina

Teatro Greco in Taormina

Die Sommerabende und –nächte in Taormina sind lau; es ist immer etwas los: Abends füllen Hunderte, wenn nicht Tausende von Einheimischen, gemischt mit Touristen die Straßen Taorminas, allen voran den Corso Umberto, die Flaniermeile der Stadt. Überall erklingt Musik, gepaart mit Gelächter, und wohlriechende Düfte aus den zahlreichen am Corso liegenden Restaurants schwirren in der Luft umher. Wer Lust hast, geht zu fortgeschrittener Stunde in einen der vielen Clubs in Taormina oder Umgebung, um dort abzutanzen.

Corso Umberto Taormina

Frühabends auf dem Corso Umberto

Die Sizilianer sind ein lebenslustiges, fröhliches und gesprächiges Volk. Beim Essen wird stets viel erzählt und viel gelacht. Und vor allem viel gegessen. Während meines zweiwöchigen Aufenthalts werde ich von Peppe und Maria mit köstlicher Pasta, leckeren Fisch- und Fleischgerichten und mundenden Desserts verwöhnt. Aber auch sonst nutze ich die Gelegenheit und probiere viele sizilianische Spezialitäten: Pasta alla Norma (Pasta mit Melanzane und Ricotta), Sarde a Beccafico (frittierte Sardinen), Caponata (süßsaures Gemüsegericht), Arancini (gefüllte, frittierte Reisbällchen) und die cannoli, luftige Teigröllchen mit raffinierter Frischkäsefüllung, stehen auf meinem Speiseplan. Und die Granita, eine typisch sizilianische Süßspeise mit sorbetartiger Konsistenz, gönne ich mir täglich.

Markt Palermo

Markt in Palermo

Während meines Aufenthalts in Taormina ist vor allem Entspannung angesagt, was mich allerdings nicht davon abhält, einige von Siziliens schönsten Plätzen zu besuchen: Ich entdecke Siziliens Hauptstadt Palermo, schlendere durch das Küstenstädtchen Cefalù, wandere auf dem Ätna und lasse mich von dem Ausflug nach Panarea und Stromboli begeistern. Vor allem der Sonnenuntergang auf Stromboli und die im Anschluss zu beobachtenden Eruptionen des ständig aktiven Vulkans machen die Fahrt zu den Äolischen Inseln unvergesslich.

Kathedrale Palermo

Kathedrale in Palermo

Die Leichtigkeit des Seins spüre ich während meines Aufenthalts in Taormina immer wieder, sei es beim Schlendern durch das Stadtzentrum, beim Blick auf das strahlend blaue Meer, das allgegenwärtig ist, beim Vespa fahren oder beim Schwimmen vor einer einzigartigen Kulisse, der Isola Bella. Und so fällt der Abschied von Sizilien und seinen Schönheiten schwer.

Isola Bella

Isola Bella

Die zwei Wochen auf Sizilien haben mir wieder einmal gezeigt, dass das Schöne oft so nah ist und nicht immer in der Ferne liegen muss. Ich nehme viele <b“>tolle Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause und sage mir, dass ich bald wieder dort hin zurückkehren möchte, um ein neues, vielleicht anderes Sizilien kennenzulernen, denn die Insel birgt noch viele weitere Schätze, die es wert sind, entdeckt zu werden.

Schlucht Alcantara

Schlucht von Alcantara

Ätna

Auf dem Ätna

Strand Cefalù

Strand in Cefalù

Stromboli

Stromboli

Sonnenuntergang Stromboli

Sonnenuntergang bei Stromboli