Im vergangenen Jahr habe ich mir einen großen Traum erfüllt: eine Safari in der Serengeti. Im Namen der organisierten Reise steckte das Wort „Abenteuer“. Vielleicht, weil sich eine Reise so besser verkaufen lässt, vielleicht weil die Veranstalter davon ausgehen, dass eine Safari per se schon ein Abenteuer ist. Die Begegnungen mit Löwe, Elefant und Gepard gehören zu meinen schönsten Reisemomenten. Ich hatte das Gefühl, vollkommen im Jetzt zu sein, aber wie ein Abenteuer fühlte sich die Reise für mich nicht an. Weil ich Abenteuer anders sehe.

Meine Vorstellung von abenteuerlichem Reisen hängt stark mit einer Zeit zusammen, als das Reisen selbst noch ein echtes Abenteuer war, wo man nicht mal eben schnell ins Flugzeug steigen konnte. Eine Reise im Mittelalter etwa, wo unterwegs das Rad des Pferdewagens brach und Wegelagerer die Reisenden überfielen. Oder die Zeit großer Expeditionen, wie den Forschungsreisen des Alexander‘ von Humboldt. Sicher sind heutzutage auch noch abenteuerliche Reisen möglich, nur eben eingeschränkter. In „Hundert Tage Tibet“ bricht der Fotograf York Hovest nach Tibet auf, begibt sich auf verbotenes Terrain, auf die Gefahr hin, von einem Tag auf den anderen des Landes verwiesen zu werden. Er geht an seine psychischen und physischen Grenzen. Er tut dies, weil er dem Dalai Lama sein Versprechen gegeben hat, nach Tibet zu reisen, das Land und seine Menschen zu porträtieren.

Solche Abenteuer gibt es in meinem Leben nicht. Mir bleiben die kleinen Abenteuer, die kleinen Adrenalinkicks.

Als ich vor Jahren für ein paar Monate nach Portugal ging, um dort ein Praktikum zu machen, war ich voller Vorfreude, gleichzeitig aber auch ziemlich aufgeregt. Das lag weniger am Land, weil ich schon wusste, dass ich Portugal liebe, und kaum am Praktikum. Ich war aufgeregt, weil ich alleine nach Portugal ging. Das erste Mal in meinem Leben zog ich ohne Freunde und ohne Familie los, um ein Land zu entdecken. Für andere mag eine Reise allein kein Abenteuer sein, weil sie es gewohnt sind. Für mich war es eine neue Erfahrung.

Abenteuer ist Ansichtssache. Für mich hat Abenteuer mit Überwindung zu tun – und ein bisschen mit Angst. Wenn ich mich auf etwas einlasse, das mir Angst macht, dann wird aus einem Erlebnis ein Abenteuer. Mir macht die Höhe Angst. Trotzdem bin ich über Europas längste Zipline ins Tal gesaust.

Ob man sich ein Abenteuer verdienen muss? Auf alle Fälle muss man es zulassen, dem Abenteuer eine Chance geben. Manchmal reicht es einfach schon, aktiv zu werden und etwas zu unternehmen. Zum Beispiel, trotz Unsicherheiten, alleine ins Flugzeug steigen, einen Fallschirmsprung wagen oder…

Dieser Artikel nimmt an der Blogparade von flocblog teil.