Der Wind peitscht uns den Schnee ins Gesicht. Mehr als nur einmal habe ich das Gefühl, dem Wind nicht mehr standhalten zu können. Und die Versuchung, einfach umzukehren, schleicht sich ein. Aber nein, dieses Mal wollen wir das Ziel unserer Schneeschuhwanderung, den Jocherer Berg, erreichen. Schon Anfang Januar starteten wir einen ersten Anlauf, aber der Nordwind zwang uns in die Knie. Heute halten wir durch.

Die Wanderung startet oberhalb von Latzfons auf etwa 1.700 Meter Höhe. Über eine präparierte Rodelbahn geht es zur Käserei Jochalm, wo die eigentliche Schneeschuhwanderung beginnt: Wir ziehen die Schneeschuhe an und folgen den Spuren anderer Schneeschuhwanderer und Skitourengeher über die weiten Almwiesen bergan. Das Wetter ist wechselhaft: Mal scheint die Sonne, dann breiten sich Wolken aus und um uns herum wirbeln ein paar Schneeflocken. Noch ist es windstill. Bei einem Wegschild schlagen wir die Richtung „Latzfonser Kreuz“ ein und halten uns an einen Wegzaun. Noch ein Anstieg, dann haben wir die erste Anhöhe erreicht. Der Blick fällt auf die nahen Bergspitzen und ins Tal, aber wir halten nur kurz inne, denn der Wind ist ab hier unser hartnäckiger Begleiter auf der Schneeschuhwanderung. Wir steigen weiter Richtung Jocherer Berg, einer flachen Aussichtskuppe. Der Wind weicht nicht von unserer Seite, bläst und peitscht uns, dass es schmerzt. Kurz vor dem Jocherer Berg zweigt rechts der Weg zum Latzfonser Kreuz, einem Höhenkirchlein samt Schutzhaus, ab. Noch vor zwei Monaten war hier Schluss für uns, heute aber kämpfen wir uns weiter. Auf dem Jocherer Berg ist die Aussicht fantastisch. Zu unserer Linken grüßen die Sarntaler Alpen, vor uns Kassian- und Lorenzispitze und rechts fällt der Blick ins Eisacktal. Nur Berge, Schnee und Wind rund um uns herum. Bald gehen wir weiter, über den breiten Kamm bergab. Wieder ist es der Wind, der uns antreibt. Innehalten bedeutet auf dem Jocherer Berg, im Nordwind zu stehen, umhüllt von eisigen Schneekristallen, ohne Schutz.

Wegkreuz Latzfonser Kreuz Beim ersten Anlauf zu unserer Schneeschuhwanderung auf den Jocherer Berg ist beim Wegkreuz zum Latzfonser Kreuz Schluss.

Wegkreuz Latzfonser Kreuz Ziel erreicht: Auf dem Jocherer Berg

Sonne und Wolken sorgen beim Abstieg für ein schönes Licht-Schatten-Spiel in der Schneelandschaft. Da wir uns den Abstecher zur Stöfflhütte sparen, suchen wir für eine kurze Mittagsrast Unterschlupf in einer Schupfe. Dann führt ein präparierter Wanderweg wieder talwärts zur Jochalm. Besonderes Highlight für mich: Die kleinen Holzhütten entlang des Weges, die in der Winterlandschaft noch viel besser zur Geltung kommen, besonders, wenn das dunkle Holz der Hütte einen schönen Kontrast zum Weiß des Schnees bildet. Bei der Jochalm darf eine kurze Einkehr nicht fehlen. Schon während der gesamten Schneeschuhwanderung freue ich mich darauf, mich bei einem leckeren Hauspunsch zu wärmen. Für den Abstieg zum Parkplatz schultern wir die Schneeschuhe und stapfen durch den bereits weichen Frühlingsschnee zurück zum Auto.

Schneeschuhwanderung Jocherer Berg Zwischen Licht und Schatten: Abstieg vom Jocherer Berg

Jocherer Berg Almhütte

Jocherer Berg Almhütten

Almhütten Winter Südtirol