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Der Registan und die verbotenen Bilder

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Einen ersten Blick auf den Platz, der für meine Usbekistan-Sehnsucht verantwortlich ist, erhasche ich aus dem fahrenden Taxi. Es ist später Nachmittag und auch wenn wir die Besichtigung am nächsten Tag mit Ruhe machen wollen, so weiß ich doch: Ich muss sofort zum Registan gehen.

Registan Rückseite Auf dem Weg zum Registan

Der Registan ist abgesperrt. Wer den Platz betreten will, muss Eintritt bezahlen. Polizisten sind stationiert, die die Zugänge zum “Sandigen Platz” bewachen. Nachdem wir in anderen Städten die Erfahrung gemacht haben, dass ein Ticket nicht nur für einen Tag gültig ist, sondern auch für zwei oder drei Tage, will ich auch hier mein Glück probieren. An der Kasse frage ich schnell, wie lange das Ticket gültig ist. “2 hours”, ist die knappe Antwort. Zwei Stunden scheinen mir jetzt doch etwas wenig. Ob ich morgen mit dem selben Ticket wieder kommen könne. Um 8.00 Uhr morgens öffnet der Registan, ist die Antwort auf eine Frage, die ich eigentlich nicht gestellt habe. Aber zwei Stunden reichen vollkommen, sagt er dann noch mal. “40 minutes, 40 minutes, 40 minutes”, sagt er und zeigt mit dem Finger auf jede der drei Medresen. Ich äußere meine Bedenken, dass mir das zeitlich etwas knapp scheint und ich lieber am nächsten Tag wiederkomme. Damit scheine ich seine Geduld wohl überzustrapazieren. Er legt noch einmal eine Stunde drauf: drei Stunden. Und in einem nun vollends ungeduldigen Ton fragt er: “Is that enough for you?” Ich frage mich, was er davon hat, wenn wir heute und nicht morgen den Registan besuchen. “We’ll come back tomorrow”, sage ich und gehe. Jahrelang habe ich mich auf den Registan gefreut, jetzt will ich nicht schnell, schnell durchlaufen.

Sher-Dor Medrese Registan Sher-Dor Medrese von oben

Auf Usbekistans berühmtesten Platz: dem Registan

Am nächsten Tag nehmen wir uns Zeit: Wir besteigen das Minarett, das zwar nur eine eingeschränkte Aussicht bietet, dafür können wir aber auch das erste Stockwerk der Ulugbek-Medrese besichtigen und auch von oben einen Blick in den Innenhof werfen. Das Innere der Medresen ist fest in den Händen der Händler: Seidentücher, Tonschalen und Teppiche warten in den einstigen Unterrichtsräumen und Zellen der Schüler auf einen Abnehmer. Jedoch zu deutlich gehobeneren Preisen als etwa in der Nähe der Basare. Was mich am Registan am meisten beeindruckt aber ist das Innere der Tilya-Kori-Medrese. Hier bin ich mittendrin im orientalischen Zauber. Über mir eine Decke aus Gold, mit filigranem Blattwerk geschmückt. Nicht von ungefähr kommt der Name “die Vergoldete”. Die Dritte im Bunde ist die Sher-Dor-Medrese. Auf ihrem Hauptportal prangen zwei tigerähnliche Löwen. Wie das Eingangsportal der gegenüberliegenden Ulugbek-Medrese scheinen auch Portal und Minarette der Sher-Dor-Medrese nach vorne geneigt.

Sher-Dor-Medrese Registan Blick durch ein Portal der Tilya-Kori-Medrese auf die Sher-Dor-Medrese

Tilya-Kori Registan Mein goldener Moment: Im Inneren der Tilya-Kori Medrese

An drei Seiten von Medresen umschlossen, in Kunstfertigkeit kaum zu übertreffen, ein Platz, der wahrlich königlich ist – und doch: Das überwältigende Gefühl bleibt aus. Es sind die vielen Einschränkungen, die ich hier spüre, die meine Begeisterung dämpfen. In Buchara gehe ich über den Platz, der vom Kalon-Minarett geprägt ist, während die Sonne ihre letzten Strahlen auf die Mir-i Arab Medrese wirft. Ich sitze ich auf den Stufen der Medrese und schaue zu, wie die Sonne langsam untergeht und sich der Himmel rot, orange und gelb färbt. All das kann ich auf dem Registan nicht. Hier ist der Platz bereits abgesperrt – und nicht nur der Platz selbst, auch die Tribüne ist außer Reichweite. Abends steht hier die Sound-and-Light-Show auf dem Programm. Aber ich brauche keine Medresen, die in Pink, Neongrün und Ultramarinblau erleuchten. Das Abendlicht reicht vollkommen. Als wir von der Absperrung aus noch ein Foto machen, kommt auch schon ein Polizist auf uns zu: “No photo”. Und so packen wir unsere Kamera wieder ein und gehen weiter. Aber ich will noch nicht aufgeben. Am nächsten Morgen gehen wir wieder zum Registan, um die ersten Morgenstrahlen einzufangen. Doch auch jetzt dauert es nur wenige Sekunden, bis ein Polizist neben uns steht. “Minarett, Minarett?”, fragt er. Ich verstehe nicht, was er sagen will. Er holt einen zweiten Polizisten herbei: Fotografieren ist erst um 8.00 Uhr erlaubt, wenn der Registan öffnet. Wir können nur auf das Minarett hinaufsteigen, wenn wir separat bezahlen. Nachdem wir das Minarett ja schon bestiegen haben, packen wir die Kamera ein und gehen weiter. Mit im Gepäck ein paar verbotene Bilder.

Registan Polizei Auch in den frühen Morgenstunden ist der Registan bewacht.

Registan Morgenlicht Ein letzter Blick zurück: Der Registan im Morgenlicht.

2 Kommentare

  1. Das mit diesem Sehnsuchtsbild kann ich total verstehen. Dieser Platz ist einfach DAS Bild von Usbekistan. Und an den verbotenen Bildern wirst Du sicher noch lange Freude haben ;-)

    • Stimmt, wobei meine Erwartungen an den Registan wohl etwas zu hoch waren. ;-) Die Gräberstadt Shoizinda hat mich weit mehr beeindruckt. Aber die Morgenstimmung und der menschenleere Registan waren doch etwas Besonderes.

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