Home Südtirol Wandern Auf dem Meraner Höhenweg: Vom Giggelberg durch die 1000-Stufen-Schlucht nach Katharinaberg

Auf dem Meraner Höhenweg: Vom Giggelberg durch die 1000-Stufen-Schlucht nach Katharinaberg

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Wir sind nicht die einzigen, die wissen, wie schön es hier ist”, meint mein Freund. Allein sind wir auf dem Meraner Höhenweg selten. Schon in der Texelbahn stehen wir dicht an dicht, bei der Bergstation angekommen, verteilt sich die Wandermasse etwas. Während einige noch stehen bleiben, um hier die Aussicht über das Tal bis hin zu den bereits verschneiten Dolomitengipeln zu genießen, starten wir los. Eine etwa sechsstündige Wanderung – vom Giggelberg durch die 1000-Stufen-Schlucht nach Katharinaberg – liegt vor uns. Vorbei an Bergbauernhöfen, abschüssigen Feldern und durch Mischwald geht diese Etappe des Meraner Höhenwegs. Die Lärchen leuchten bereits, je nach Sonneneinstrahlung und Höhenlage, von gelbgrün bis tieforange und braun. Und auch das Wetter meint es gut mit uns: Sogar Ende Oktober reichen ein T-Shirt und eine leichte Wanderhose, so warm ist es am Sonnenberg.

Meraner Höhenweg Auf dem Weg zur 1000-Stufen-Schlucht

Im Sommer ist es hier für Wanderungen meist zu heiß. Der Sonnenberg hat seinen Namen schließlich nicht von ungefähr. Die Bergbauern sind mit einem sonnigen Plätzchen gesegnet, doch die Sonne bringt auch Trockenheit und Wasserknappheit mit sich. Wenn man an den steilen Feldern vorbeigeht, wo die Bergbauern das Heu zusammen rechen, dann lässt sich erahnen, wie mühsam das Leben hier oben ist.

Mühsam ist auch der Teil der Wanderung, der nach etwa einer Stunde Gehzeit auf uns wartet: die 1000-Stufen-Schlucht. Stufen aus Stein, Holz und Eisen führen hoch über Naturns in die Schlucht hinein – und auf der anderen Seite wieder heraus. Ich bin aber so damit beschäftigt, das Gelbgrün der Lärchen und die rundgeschliffenen Steine im Bachbett des Lahnbachs zu bestaunen, dass die 1000-Stufen-Schlucht viel schneller hinter mir liegt, als erwartet. Nach einer Mittagsrast in einem der Bauernhöfe entlang des Weges geht es für uns weiter Richtung Unterstell. Unterstell liegt zwar nicht direkt am Meraner Höhenweg, ich möchte aber unbedingt einen Abstecher zur neu erbauten Aussichtsplattform machen. Etwas zögerlich gehe ich über die Plattform – unter meinen Füßen die felsigen Hänge des Sonnenbergs. Von hier oben fällt der Blick ins Tal, über die schattigen Hänge des Nörderbergs bis hin zum schneebedeckten Gipfel des Cevedale.

Vinschger Sonnenberg Bergbauernhof an den steilen Hängen des Sonnenbergs

Meraner Höhenweg Hängebrücke Über eine kleine Hängebrücke geht es weiter Richtung Unterstell.

Aussicht Unterstell Aussichtsplattform Unterstell: Blick zurück über das Tal und die Berghänge

Nachdem Unterstell hinter uns liegt, fängt für mich der Teil der Wanderung an, den ich noch nicht kenne: der Weg nach Katharinaberg. Der Weg führt, wieder teils durch Wald, teils durch Felder, hoch über dem Schnalstal nach Katharinaberg. Am Eingang zum Schnalstal thront Schloss Juval, das jetzt weit unter uns liegt. Wir gehen weiter und sehen schon bald das Kirchlein von Katharinaberg. Wer wie wir keine Wanderkarte studiert hat, hat das Gefühl, dass der Weg zum Ziel nur noch bergab führt. Und mit diesem Gefühl steige ich einen Waldweg, der mit Steinstufen durchsetzt ist, hinab, nur um auf der anderen Seite wieder aus der Schlucht hinaufzusteigen. Langsam zehrt das Auf und Ab an meinen Kräften. Doch dann haben wir auch den letzten Anstieg geschafft, wir gehen noch einmal an einem Bauernhof vorbei und steigen dann Richtung Katharinaberg ab. Vor uns taucht der weiße Gipfel des Similaun auf, dem Fundort der Gletschermumie Ötzi. Die lärchenbewachsenen Hänge leuchten noch in der Nachmittagssonne, Katharinaberg selbst liegt aber bereits im Schatten. Bei der nächsten Weggabelung lassen wir den Meraner Höhenweg rechts liegen und folgen dem Wegweiser nach Katharinaberg.

Beim Mittagessen hat mein Bruder von einem Wanderer erzählt, der den gesamten Meraner Höhenweg – immerhin 90 Kilometer und 5.000 Höhenmeter! – in nur zwei Tagen gelaufen ist. Unsere Etappe von Giggelberg nach Katharinaberg war gerade mal 15 Kilometer lang. So müde ich auch bin, gerne würde ich morgen weitergehen – weiter hinein ins Pfossental und wer weiß … weiter über die Stettiner Hütte ins Passeiertal und über Hochmuth zurück zum Giggelberg. Die Natur genießen, über wunderschöne Aussichten staunen und einfach gehen – nicht zwei Tage, aber fünf.

Praktische Infos zum Meraner Höhenweg:

Länge, Höhenmeter und Dauer der Tour: 15 km, 750 Höhenmeter und ca. 5h30

Beste Wanderzeit für diese Tour: Herbst

Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten entlang des Weges

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