Es ist die Gretchenfrage: Welche Stadt ist schöner? Lissabon oder Porto? Portugals Hauptstadt oder die charmante Stadt im Norden? Und mit einem einfachen „Beide Städte sind schön“ geben sich die Portugiesen nicht zufrieden, weil man Partei ergreifen muss. Entweder Lissabon oder Porto. Dabei zählen beide Städte, Lissabon und Porto, ohne Zweifel zu den schönsten Orten in Portugal.

Mein Herz schlägt für Lissabon. Weil ich in Lissabon fünf Monate meines Lebens verbracht habe und mich in die Stadt verliebt habe: in das pulsierende Leben in Baixa-Chiado und am Praça do Comércio, in die Altstadt Alfama und in Bélem. Meine Liebe zur Stadt wurde auch nicht getrübt, als ich nach einem fado-inspirierten Lucio-Dalla-Konzert auf dem Rossio meiner Handtasche bestohlen wurde und ich danach fix und fertig Fragen auf einer Polizeistation für Touristen beantworten musste. Rossio ist berüchtigt für Diebstähle, das wusste ich – danach – auch. Fünf Monate in Lissabon führten mich auch zu weniger bekannten Winkeln der Stadt. Dem gegenüber stehen fünf Tage in Porto – mit den traditionellen Sehenswürdigkeiten.

Lissabon

Welche Stadt ist schöner? Lissabon…

Porto

oder Porto?

In Porto ist auch das speziell, was andernorts eher durchschnittlich ist: Nehmen wir z. B. die Ankunft. Ich komme in Porto an, etwas müde und erschöpft. Normalerweise müsste ich mich jetzt durch ein nicht allzu schönes Bahnhofsgebäude ins Freie schieben. Nicht so in Porto: Ich schlängle mich nicht durch die Massen, um so schnell wie möglich raus aus dem Bahnhof zu kommen, denn das will ich gar nicht. Was ich will, ist genau hier, in der Bahnhofshalle: Ich will die Azulejos bestaunen, die den Bahnhof von Porto, São Bento, zu einem Ort mit Flair machen. Und mich vergessen lässt, dass ich bis vor ein paar Minuten einfach nur so schnell wie möglich zum Hotel wollte.

Bahnhof Porto Azulejos

Azulejos im Bahnhof von Porto

Dann gibt es noch diesen Buchladen, der zu den schönsten der Welt gehört. Ich gebe ja zu, dass Buchläden bei mir, anders als Bahnhöfe, schon mal einen leichten Stand haben. In Buchläden halte ich mich gerne auf. Sie sind nicht nur Durchzugsstation, sondern ein Ort, wo ich abschalten kann. Umgeben von Büchern fühle ich mich einfach wohl. Aber dieser Buchladen ist mehr als ein Ort für Bücher, mehr als ein Rückzugsort. Und kein Lissaboner Buchladen kann mit der Livraria Lello e Irmão mithalten.

In Lissabon fühle ich mich nicht als Besucherin der Stadt, als Vorbeiziehende, sondern als Teil der Stadt. Lissabon ist eine leichte, lebensfrohe Stadt – und genau so fühle auch ich mich während der Zeit in Lissabon. Für alle Besucher bietet Lissabon das volle Programm: Altstadtflair in Alfama, eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn-Linie 28E, Shoppingvergnügen im größten Shoppingcenter der iberischen Halbinsel, dem Centro Comercial Colombo. Von der Cristo Rei Statue und vom Aufzug Elevador de Santa Justa bietet sich ein wunderschöner Blick über die Stadt. Und bis zum westlichsten Punkt Kontinentaleuropas, Cabo da Roca, ist es nicht weit. Von Lissabon aus brachen die Seefahrer und Entdecker zu ihren Schiffsfahrten in unbekannte Welten auf: Vasco da Gama startete vom Hafen Rebelo, umschiffte Afrika und entdeckte den südlichen Seeweg nach Indien. Infante Don Henrique oder Heinrich der Seefahrer, wie der Herrscher auf Deutsch genannt wird, stach selbst kaum in See. Vielmehr ließ er andere für die portugiesische Krone aus dem Hafen in Lissabon auslaufen. Den Entdeckern und Seefahrern ist das Padrão dos Descobrimentos in Belém gewidmet. Der Entdeckergeist der Vorfahren scheint in den Portugiesen fortzuleben und greift auch auf mich über. Nicht einfach nur die Sehenswürdigkeiten sehen, sondern Lissabon entdecken: Das ist es, was ich will.

Aufzug Lissabon Elevador de Santa Justa

Elevador de Santa Justa

Denkmal der Entdeckungen Lissabon

Padrão dos Descobrimentos: Das Denkmal der Entdeckungen

Maya Angelou sagte: „I’ve learned that people will forget what you said, people will forget what you did, but people will never forget how you made them feel.“ Das gilt für mich auch bei meinen Reisezielen: Ich kann mich nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern. Dafür liegt meine Zeit in Portugal zu lange zurück. Aber ich weiß noch genau, wie ich mich in Lissabon fühlte, wie ich mich durch Lissabon fühlte. Und das werde ich nie vergessen.