Die Gesichter, die Bahnhöfe, die Straßen, die Abende und Nächte, der Nebel, der Regen, die Lichter, das Leben und die Ladies  – London, du wurdest in all deinen Einzelheiten besungen. Royale Fans wollen zu dir, den Buckingham Palast sehen, vielleicht die Wachablöse, dabei sein, wenn die königliche Familie Feste feiert. Ich war nur eine von vielen, die dich jedes Jahr besuchen, um all das zu sehen, was man gesehen haben muss: Westminster Abbey und St Paul’s Cathedral, Big Ben und London Eye, Buckingham Palace, das British Museum und den Tower. Und natürlich den Hyde Park – zum Entspannen vom vielen Sightseeing.

Was mich an dir fasziniert, ist die Architektur, die mal pompös, mal unaufdringlich und schlicht daherkommt. Das Schönste für mich ist deine Kathedrale. Ich stellte mich in die Warteschleife, um einen horrenden Eintrittspreis zu bezahlen, denn teuer bist du, und ich war mir sicher: Nur ein einziges Mal betrete ich diese Kathedrale. Sollte ich noch einmal zu dir kommen, dann spare ich mir das Geld für den Eintritt. Doch dann war ich in der Kathedrale und alles war vergessen: Ich würde diesen Eintrittspreis und noch mehr zahlen, um noch einmal im Inneren der St Paul’s Cathedral zu stehen. Ja, du bist teuer, aber du kannst es dir leisten. Das weißt du natürlich. Du bist London, du bist Hauptstadt, du bist königlich.

London

Du kannst dir sogar schlechtes Wetter leisten. Mich aber hast du überrascht: mit schönem Herbstwetter und angenehmen Temperaturen. Ich muss zugeben, du hast mich ein bisschen verwöhnt. Und ich habe es genossen, bin durch den Portobello Market geschlendert und habe im Hyde Park Eichhörnchen beobachtet. Nur etwas hat mich doch enttäuscht: dass ich den Lesesaal im British Museum nicht sehen durfte. Du kannst das nicht wissen, aber ich hatte mich so auf den Reading Room gefreut, weil ich schöne Bibliotheken und Büchereien fast genauso liebe wie Bücher selbst. Und selbst ohne Bücher hätte man wohl die Magie des Kuppelsaals spüren können…   So blieb mir das British Museum, das in den frühen Morgenstunden kaum besucht war. Ein ruhiges Plätzchen, gefüllt mit den Schätzen alter Kulturen – von den Pharaonen bis zu den Azteken, inmitten einer unsteten, schrillen Stadt. Du bist London, du bist Millionenstadt, du bist hektisch.

Mehr als in jeder anderen Stadt, ja, sogar mehr als in Tokio, fühlte ich bei dir das geschäftige Treiben: Touristen aus jedem Winkel dieser Erde, die sich am Tower, beim London Eye und beim Big Ben versammeln. Ich mittendrin. Rush-Hour. Überfüllte Geschäfte. Menschenmassen auf der King’s Cross. Ich aber mag deine ruhige Seite.