Als ich die Wetteraussichten fürs Wochenende checke, freue ich mich riesig: kaum ein Wölkchen in Sicht, angenehme Temperaturen. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist der Schneefall am Freitag davor. Die Schneefallgrenze liegt bei 2.500 Metern und unser Wochenend-Ziel, die Hintere Schöntaufspitze, präsentiert sich in Weiß. Zuversichtlich denke ich mir, dass sich der Schnee im August wohl nicht lange halten wird, werfe aber zur Sicherheit einen Blick auf die Panoramawebcam „Ebenes Jöchl“. Wir verschieben unsere Bergtour um einen Tag, machen uns dann aber wie geplant vom Marteller Talschluss aus über das Madritschtal auf den Weg zur Hinteren Schöntaufspitze. Die Hintere Schöntaufspitze gilt als ein recht leichter Dreitausender mit einer Wahnsinnsaussicht auf Südtirols höchste Berge: Ortler und Königsspitze. Und diese Aussicht ist es auch, die mich den langen Anstieg mit insgesamt 1.300 Höhenmetern in Angriff nehmen lässt.

 

Der Aufstieg zum Madritschjoch und weiter auf die Hintere Schöntaufspitze ist von Sulden und von Martell aus möglich. Wir entscheiden uns für Variante Nummer 2 – und damit für die längere und forderndere, aber auch landschaftlich reizvollere Tour. Das Madritschtal ist ein weitläufiges, grünes Tal, das von einem Bach durchzogen wird. Ein Border Collie treibt eine blökende Schafherde zusammen und ein Hirte sucht noch nach zwei Schafen, die zurück geblieben sind. Es ist einfach schön hier. Wir steigen weiter bergan, immer auf einem schmalen Pfad über Grashänge hinauf. In ein paar Senken haben sich durch den Schneefall kleine Seen gebildet, die in dunklem Blau leuchten. Von mir aus könnten wir immer so weiter gehen – oder uns einfach ins Gras an das Bachufer legen. Aber der Ehrgeiz, die 3.325 Meter hohe Hintere Schöntaufspitze zu besteigen, treibt mich doch weiter.

Schafherde Schafe

Madritschtal Martell

Langsam ändert sich die Landschaft: Das Grün geht in das Grau des Gerölls und das Weiß des Schnees über, das uns auf unserem Weg zum Madritschjoch begleitet. Ich staune, wie viele Mountainbiker hier unterwegs sind. Noch mehr staune ich, da mir die Abfahrt vom Madritschjoch im wahrsten Sinne des Wortes halsbrecherisch anmutet. An besonders brenzligen Stellen, von denen es für die Mountainbiker allerdings nur wenige zu geben scheint, steigen sie vom Rad ab und schieben es.

Beim Madritschjoch atme ich auf: jetzt erst mal die Aussicht genießen! Von Sulden her ziehen Mountainbiker und Wanderer auf das Madritschjoch. Auf der Suldner Seite liegt zwar deutlich mehr Schnee, allerdings mutet der Wanderweg leichter und angenehmer an. Für einen Moment möchte ich nicht weiter gehen, aber dann lasse ich mich doch überzeugen und nehme die letzte halbe Stunde Anstieg auf die Hintere Schöntaufspitze in Angriff. Oben angelangt freue ich mich über die Gipfelaussicht. Vor uns sehen wir den höchsten Berg Südtirols, den Ortler, und den zweithöchsten, die Königsspitze. Wir sehen das Dorf Sulden und am Horizont grüßen die Schweizer Berge. Und diese Aussicht ist auch der Grund, warum sich die 7,5 Kilometer und 1.300 Höhenmeter auf die Hintere Schöntaufspitze lohnen.

Hintere Schöntaufspitze

Martelltal Madritsch

Hintere Schöntaufspitze – Infos zur Tour

Die Anfahrt erfolgt über Morter ins Martelltal bis zum Parkplatz am Talschluss. Weg Nr. 151 führt von hier bis auf die Hintere Schöntaufspitze (Aufstieg: 7,5 km, 1.300 Hm). Alternativ kann man auch nach Sulden fahren und mit der Seilbahn zur Bergstation auf 2.600 Metern. Von hier geht’s dann auf Weg 151 zum Madritschjoch und weiter auf die Hintere Schöntaufspitze (Aufstieg: 4 km, 700 Hm).

Einkehrmöglichkeit: Über einen kleinen Umweg ist die Zufallhütte erreichbar. Eine weitere wunderschöne Tour im Martelltal führt über die Zufallhütte zur Marteller Hütte.