„Der See, ein einziges Funkeln und Flirren“, meinte der russische Schriftsteller Vladimir Nabukov, der viele Jahre seines Lebens am Genfer See lebte und heute in Montreux begraben liegt. Als ich den Genfer See zum ersten Mal sehe, bin ich hin und weg. Der See, der eigentlich Lac Léman heißt, ist eingefasst von den Gipfeln der Alpen. Das Panorama ist unvergleichlich schön.

Genfer See

Am Genfer See

Über Innsbruck und Zürich gelange ich mit der Schweizer Bahn nach Lausanne, die erste Station meines fünftägigen Schweiz-Aufenthalts. Sarah, die ich vor kurzem bei einem Sprachaufenthalt in Toronto kennengelernt habe, holt mich vom Bahnhof ab. „Bienvenue en Suisse!“ Es ist spät am Abend, ich bin müde und will nach dem Abendessen gleich ins Bett. Dass es hier im Juli so schwül sein würde, hatte ich mir nicht erwartet; und die Nächte im Gästezimmer werden zu einer Herausforderung.

Lausanne

Lausanne – Im Hintergrund der Genfer See

Am nächsten Tag starten wir mit unserem Sightseeing, schließlich will ich so viel wie möglich von meinem Kurzurlaub mitnehmen. Lausanne, Hauptort des Schweizer Kantons Waadt, ist mit seinen 130.000 Einwohnern eher eine kleine Stadt, aber sie wächst zunehmend und ist politisch und wirtschaftlich von Bedeutung. Das Schweizer Bundesgericht hat hier seinen Sitz ebenso wie das Internationale Olympische Komitee, internationale Größen wie Nespresso und Tetra Pak steuern von hier aus ihre Geschäfte. Lausanne ist mit seinen 12.000 Studenten auch eine bedeutende Universitätsstadt.

Kathedrale Notre Dame

Kathedrale Notre Dame

Wir beginnen unseren Rundgang in Lausanne mit einer Besichtigung der 700 Jahre alte Kathedrale Notre-Dame, einer Gotik-Pracht. Dann spazieren wir durch die teils steil abfallenden Altstadtgassen nach Ouchy, dem Hafenviertel Lausannes. Dort schlendern wir die Seepromenade entlang, gönnen uns in einem der vielen Cafés eine kühle Erfrischung und beobachten die Ausflugsschiffe, die gerade beim An- oder Ablegen sind.

Schloss von Ouchy

Das Schloss von Ouchy – heute ein Hotel

Mit dem Auto geht es dann weiter auf das Gelände der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, wo sich das Rolex Learning Center befindet. Das RLC dient als Bibliothek und Lernort, hier gibt es aber auch Cafés und Restaurants, die nicht nur von den Studenten genutzt werden. Das Besondere am Rolex Learning Center ist die Architektur, es ähnelt einem UFO. Der Flachbau, von einem japanischen Architekturbüro entworfen, ist an manchen Stellen gewölbt und hat Löcher wie ein Schweizer Käse.

Rolex Learning Center

Das Rolex Learning Center

Rolex Learning Center

Unebene Flächen im Innern des Rolex Learning Centers – Japanisches Design

Am nächsten Tag fahren wir ins Inland nach Broc, wo die Maison Cailler liegt. Hier wird nicht nur Schweizer Schokolade produziert. Ein Museum erzählt über die Geschichte des Schweizer Schokoladenherstellers und ermöglicht es auch, Teile des Produktionsprozesses mitzuverfolgen. Das Highlight kommt zum Schluss: Jeder Besucher darf sich durch die Produktpalette von Cailler durchprobieren und beste Schweizer Schoki schlemmen. Hier werden tatsächlich Kinder- und Erwachsenenträume wahr. Mir hat’s gefallen und vor allem geschmeckt! Wer Lust hat, kann hier außerdem Ateliers zum Thema Schokolade buchen, Schokoladenkuchen backen und Pralinen herstellen – all das natürlich unter der Aufsicht eines geschulten Auges.

Werbeplakat Cailler

Werbeplakat von Cailler

Unseren nächsten Halt machen wir in Gruyères. Das mittelalterliche Dorf, das isoliert auf einem Hügel liegt, ist mit seinen vielen alten Gemäuern sehr malerisch. Es wirkt, als wäre die Zeit stehen geblieben. Die rund 2000 Bewohner von Gruyères leben vor allem von der Landwirtschaft und vom Tourismus. Hotels, Restaurants und Souvenirshops prägen das Zentrum des Dörfchens. Wer schon mal hier ist, sollte sich auch ein Stück Gruyère mitnehmen, der bekannte Schweizer Käse hat seinen Namen vom Dorf erthalten. Auf dem Rückweg nach Lausanne stoppen wir noch kurz in Fribourg, schlendern durch die Altstadt und kommen müde von einem ereignisreichen Tag nach Hause.

Gruyères

Das Zentrum von Gruyères

Halbzeit. Am 3. Tag meines Besuchs fahren Sarah und ich nach Genf. Die Stadt wird ihrem Ruf gerecht: überall Banken, Juweliere, Uhrengeschäfte, Versicherungen. Genf ist aber auch die Stadt der Weltpolitik. Rund 250 internationale Organisationen haben ihren Sitz in Genf, das Rote Kreuz zum Beispiel oder auch die Vereinten Nationen.

Banken Gruyères

Banken wohin das Auge reicht

Unsere Entdeckungstour führt uns zunächst an der Seepromenade entlang. Die riesige Jet d’ Eau, eine Wasserfontäne, die pro Sekunde 500 Liter Wasser mit 200 Stundenkilometern in die Höhe schießt, ist das Wahrzeichen der Stadt. Über einen in der Nähe liegenden Park gehen wir zur Genfer Blumenuhr, die aus 6.500 Blumen und Pflanzen besteht und ein beliebtes Objekt zum Fotografieren ist. Die Blumenuhr am Tag einen Moment nur für sich zu haben, ist gar nicht so einfach.

Jet d'Eau

Jet d’Eau vom Turm der Kathedrale Saint-Pierre aus gesehen

Blumenuhr Genf

Genfer Blumenuhr

Dann flanieren wir durch die überschaubare Genfer Altstadt, besichtigen die Kathedrale Saint-Pierre und besteigen den Turm der Kathedrale, von wo aus wir einen herrlichen Blick über Genf und den Genfer See haben. Wir schließen unseren Rundgang mit der Place des Nations ab, an der sich das riesige Gebäude der Vereinten Nationen befindet. Ein riesiger Stuhl mit einem weggebrochenen Bein erinnert an die Opfer von Landminen. Die modernen Fontänen auf dem Platz dienen schon mal zur Abkühlung. Wir machen nach, was die Kleinen machen: Wir laufen durch die Wasserstrahler und genießen das kühle Nass.

Kathedrale Saint-Pierre

Kathedrale Saint-Pierre

Vereinte Nationen

Vereinte Nationen

 

Mahnmal für die Opfer von Landminen

Mahnmal für die Opfer von Landminen

Tag 4. Sarah und ich besuchen heute das Château de Chillon. Die Wasserburg liegt auf einer Felsinsel im Genfer See und ist das meistbesuchte historische Gebäude der Schweiz. Das Museum gibt Einblick in die Geschichte des Schlosses und in das Leben ihrer Bewohner in früheren Zeiten. Nicht alle Bewohner blieben freiwillig. François Bonivar, der sich für die Reformation eingesetzt hatte, war hier sechs Jahre eingekerkert. Die Säule, an die Bonivar gekettet war, kann im Kerker besichtigt werden.

Château de Chillon

Château de Chillon

Am Nachmittag machen Sarah und ich zunächst eine Bootsfahrt auf dem Genfer See und genießen die fantastische Umgebung: Die Berggipfel, der See selbst und das zum UNESCO-Welterbe gehörende Lavaux, ein Weinbaugebiet, das sich rund 30 Kilometer von Lausanne bis zum Schloss Chillon am Ufer des Genfer See erstreckt, tragen zu einem unvergleichlichen Panorama bei. Schließlich legen wir im Hafen eines kleinen Dorfes an und wandern eine Weile durch das Lavaux. So schön das Panorama ist, es wäre angenehmer, auf einem Feldweg zu gehen als auf Asphalt.

Lavaux

Wandern durch das Lavaux – Weltkulturebe seit 1979

 

Lavaux

Ruhige Dörfer prägen das Lavaux

Mein Aufenthalt neigt sich langsam dem Ende zu. Am letzten Tag fahren wir in die Nähe der französischen Grenze und besuchen die Grotten von Vallorbe, auch Feengrotten genannt. Der Rundgang durch die Höhlen führt vorbei an Tropfsteingebilden, Stalagmiten, Stalaktiten, Säulen und Galerien. Und hie und da hört und sieht man die unterirdische Orbe. Auf dem Rückweg nach Lausanne machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Neuenburger See und lassen dort im Gras unsere Seele baumeln. Meinen letzten Abend verbringen wir mit Sarahs Familie auf einer Almhütte und essen dort – wie könnte es anders sein – Käsefondue.

Bison Grotten von Vallorbe

Der sogenannte Bison in den Grotten von Vallorbe

Auf der Alm

Auf der Alm

Meine Reise in die Schweiz hat wieder einmal gezeigt, dass man nicht in die weite Ferne reisen muss, um neue, tolle Eindrücke zu gewinnen. Die Schweiz ist allemal einen Besuch wert. Was sage ich da? Einen? Nein, ganz viele!

Lac Lémain Genfer See

Der Lac Lémain, wie der Genfer See im Französischen heißt