Nur durch eine kleine Öffnung fällt etwas Licht in den Raum. Mit der Flut fließt das Wasser in das Kellerloch. Die Menschen im Raum stehen im Wasser. Einen Tag, eine Nacht. Liegen und aufrecht stehen können sie nicht. Sie kauern und warten. Noch einen Tag und noch eine Nacht. Wer überlebt, wird als Sklave auf die Plantagen Südamerikas verschifft oder weiter nach Nordamerika oder Europa. Ich bin froh, als wir den Raum wieder verlassen können. Noch vor 150 Jahren wurden Menschen auf Stone Town als Sklaven festgehalten. Auf dem einstigen Sklaven-Umschlageplatz steht heute eine anglikanische Kirche. In der Nähe der Kirche erinnert ein Denkmal an das Schicksal der Sklaven.

Sklaven Denkmal Stone Town Beklemmend: Das Sklaven-Denkmal in Stone Town

Bei der anglikanischen Kirche startet unser Stadtrundgang durch Stone Town. Von hier führt uns der Weg hin zum bunten Treiben auf dem Markt. Orientalische Märkte versprühen ihren eigenen Charme: ein Gewirr an Menschen, Stimmen und Gerüchen. In der Markthalle gibt es Obst, Gemüse und Gewürze, aber auch Fleisch und Fisch. Auf den Steinplatten liegen Fleischkeulen, von Fliegen umschwirrt, daneben sitzt eine Katze und putzt sich. Für einen Moment halte ich den Atem an. Auch Fisch jeder Art und Größe kann man hier kaufen oder ersteigern.

Darajani Markt Auf dem Darajani Markt

Fischmarkt Stone Town In der Markthalle: Fisch und Fleisch warten auf Käufer.

Markt Stone Town Fleischhalle Eine Katze sitzt neben den Fleischkeulen und putzt sich.

Nach dem Abstecher zum Markt ist die Altstadt von Stone Town unser Ziel. Wir laufen durch verwinkelte Gässchen. In den Hinterhöfen spielen Kinder. Vor den Geschäften sitzen Männer und warten auf Kundschaft. Unser Weg führt weiter in Hotels, wo wir uns die prunkvollen Innenräume ansehen oder einfach nur von einer Terrasse über die Dächer der Stadt hinweg schauen. Etwas komisch komme ich mir dabei vor, bin ich doch kein Hotelgast, doch daran scheint sich hier niemand zu stören. Ich mag die Gässchen, die kunstvoll verzierten Türen, die kleinen Geschäfte– das gesamte Flair, das die Altstadt von Sansibar Stadt umgibt. Die Erfahrung, kaum einen Schritt machen zu können, ohne dass uns jemand etwas verkaufen will, machen wir nicht: Wir sind mit zwei einheimischen Stadtführern unterwegs. Der letzte Stopp unserer Stadttour führt zum Haus der Wunder: das erste Haus Sansibars, das über Strom, fließendes Wasser und einen Aufzug verfügte. Voller Wunder ist nicht nur das Haus, sondern auch Stone Town selbst. Hätte ich nur einen einzigen Tag auf Sansibar, würde ich ihn in Stone Town verbringen.