Für den Feind, der nie kam: Die Festung Franzensfeste wurde von 1833 bis 1838 erbaut. 6.000 Mann arbeiteten an ihrer Erbauung. Turbulente Zeiten liegen hinter Mitteleuropa: die Französische Revolution, die Herrschaft Napoleons, der Wiener Kongress von 1814, der die alte Ordnung in Europa wieder herstellen sollte. Als es 1830 in Frankreich wieder zu Unruhen kommt, will man vorbereitet sein – und plant die Erbauung einer uneinnehmbaren Festung. Eine Festung, die den Angreifer zum Angegriffenen werden lässt. Denn in der Festung Franzensfeste gibt es kein Fleckchen, wo sich der Angreifer verstecken, unentdeckt von Soldaten und Kanonen seinen Vormarsch planen könnte. Nur einen toten Winkel hätten sie doch gefunden, so Führer Uwe, „aber da muss der Angreifer dann stehen bleiben, bis er ein Gerippe ist“. Auch die Kanonen der Angreifer sind bei einem Angriff machtlos – ihr steht eine meterdicke Granitmauer entgegen. Der Angreifer hat keine Chance, oder hätte keine Chance, wenn er denn kommen würde. Denn der Angreifer kommt nicht.

Als Kaiser Ferdinand 1838 die Einweihung der Festung Franzensfeste vornimmt, soll er mit einem Hammer gegen die Wand geschlagen haben. Er wolle prüfen, ob die Festung aus Silber sei, bei den Unmengen an Geldern, die sie verschlungen habe, soll er geantwortet haben. Aus Silber ist die Festung nicht, aber aus Granit, aus Findlingen, Kalk, Holz und aus 20 bis 25 Millionen Ziegeln.

Festung Franzensfeste Festung Franzensfeste: Eine Geschichte im Konjunktiv

Festung Franzensfeste: Eine Führung durch die obere Festung

Die Festung Franzensfeste ist enorm – bei unserer Führung bekommen wir nur einen Eindruck, denn vieles bleibt verschlossen. Führer Uwe erzählt von den unterirdischen Gängen, dem Lagerraum fürs Brot, dem Trakt C, aber all das liegt im Verborgenen. Dafür zeigt uns Uwe den Goldstollen: Hier lagerten während des Zweiten Weltkrieges 125 Tonnen Goldbarren und Goldmünzen. 1943 lässt Mussolini die Goldreserven der Banca d’Italia von Rom nach Mailand bringen, durch eine Vereinbarung zwischen Hitler und Mussolini gelangt das Gold in die Hände der deutschen Militärverwaltung, die es 1944 in der Franzensfeste einbunkert. 25 Tonnen des so genannten Nazi-Goldes gingen an die Schweiz, weitere 25 Tonnen wurden der Banca d’Italia rückerstattet, 75 Tonnen gelangten nach Deutschland. Über den Verbleib von ca. einem Prozent des Goldes weiß man nichts.

Uwe führt uns über 451 Stufen von der unteren in die obere Festung. Es ist die längste unterirdische Treppe Europas. Da gibt es keine Unterbrechung, nur eine endlose Aneinanderreihung von Stufen. Von oben können wir auf die Staatsstraße und die Autobahn blicken, auf den künstlich angelegten Stausee, auf die untere und mittlere Festung. Die drei Teile der Festung Franzensfeste hätten ursprünglich Teil eines weitaus größer angelegten Festungsbaus sein sollen. Dieser Festungsbau, der auch die Mühlbacher Klause und Schloss Rodeneck umfasst hätte, wurde jedoch nie umgesetzt.

1.000 Mann hätten in der Festung Franzensfeste stationiert werden können: neben Soldaten auch Bäcker, Schlosser, Tischler, Schmiede… Es gibt Schlafräume, Küche, Backstube und an die 90 Kasematten – alles leergeräumt. Schießscharten durchziehen das Mauerwerk, um vor dem Angreifer zu schützen. Doppelte, versetzte Türen sichern die Eingänge. Eine dieser Türen der oberen Festung führt ins Leere.

Der Verein Oppidum führt durch die Festung und macht auch den oberen Teil der Festung zugänglich, der sonst verschlossen bleibt. Geplant ist, den oberen Teil der Festung in den kommenden Jahren für Besucher zugänglich zu machen: Dazu braucht es einen Aufzug, vorerst aber bleiben die 451 Stufen.

Festung Franzensfeste Treppe Mit 451 Stufen die längste unterirdische Treppe Europas: Verbindungsgang zwischen unterer und oberer Festung

Festung Franzensfeste Tor Ein Tor ins Nichts

Obere Festung Franzensfeste Der obere Teil der Festung Franzensfeste

Festung Franzensfeste Kasematten Zu Ausstellungsräumen umfunktioniert: Kasematten