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Wie ich aus 4.000 Metern Höhe aus dem Flugzeug sprang

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Ich bin aufgeregt. Ich gehe auf und ab, setze mich hin, schaue den anderen bei den Vorbereitungen zu. Es ist extrem heiß und bis ich springen darf, dauert es noch zwei Stunden. Für die meisten beim Flugplatz Boscomantico in Verona ist ein Sprung nichts besonderes mehr. Alles Routine. Wahrscheinlich sollte mich das beruhigen, doch beruhigt bin ich nicht.

Zwei Fallschirmspringer erzählen von der Ausbildung und den Kosten. Einmal im Monat fahren sie nach Verona, um sich aus dem Flugzeug zu werfen. Dann machen sie vier bis fünf Sprünge. Auf dem Helm haben sie ihre GoPro befestigt. Sie gehen in Gedanken ihren Sprung durch. Ich will nicht mehr denken, nur endlich springen können.

Langsam rückt der Sprung näher. Ich ziehe einen Anzug an und warte auf meinen Piloten. Und ich habe Glück: Corrado, mein Tandempilot, ist einfach super. Er beruhigt mich, geht mit mir noch mal alle Schritte durch. Kopf zurück, Beine nach hinten abwinkeln, Bauch voraus. Wenn er mir auf die Schulter klopft, kann ich die Ellenbogen im 90°-Winkel anwinkeln. Mit dem Flieger geht es in etwa einer Viertelstunde auf 4.000 Meter Höhe. Der Sprung selbst dauert nur etwa fünf Minuten.

Ich bin froh, als ich endlich in den Flieger einsteigen kann. Corrado überprüft noch mal die Gurte, schnallt mich an sich fest und fragt, wie’s mir gut. Gut, meine ich. Dann sind wir auf 1.000 Meter angelangt. Ich schaue aus dem Fenster und sehe, wie Verona immer kleiner wird. Noch 3.000 Meter bis zum Sprung. Immer wieder schaue ich auf den Höhenmesser am Handgelenk von meinem Fallschirm-Tandempilot. Noch einmal fragt er mich, wie es mir geht. Nicht mehr so gut. “Das ist normal”, beruhigt er mich. Und: Je aufgeregter man ist, umso schöner und intensiver das Erlebnis.

Auf 4.000 Meter Höhe macht ein Fallschirmspringer die Tür auf. Für das erste Duo geht’s durch die Tür hinaus… und weg sind sie. Die nächsten springen hinterher: kopfüber, rücklings oder sich an den Händen haltend. Dann sind auch sie weg. Jetzt bin ich richtig aufgeregt. Für mich ist es der schlimmste Moment: zu sehen, wie die anderen einfach so aus dem Flugzeug stürzen. Ob ich im ersten Moment die Augen zumachen kann, frage ich den Pilot. Doch er rät mir davon ab. Es wird wunderschön. Ich soll jeden Augenblick genießen. Und dann springe auch ich aus 4.000 Metern Höhe aus dem Flugzeug – mit offenen Augen. Ich springe und falle und spüre den Wind im Gesicht. Ich falle einfach. Und das Fallen ist der Wahnsinn! Alle Gedanken, alle Angst sind weg. Dann spüre ich einen Ruck und ich hänge senkrecht in der Luft. Der Fallschirm ist offen und jetzt gleiten wir gemütlich durch die Luft. Corrado zeigt mir Verona, die Valpolicella, den Flughafen und unseren Landeplatz. Irgendwo da unten, unter dickem Dunst, liegt der Gardasee. Ich kann ihn nur erahnen. Viel zu schnell geht es dann wieder Richtung Boden. Wir üben noch einmal das Landen und dann sind wir auch schon unten.

Fallschirmsprung Skydiving Verona

Fallschirmsprung Skydiving Verona

Fallschirmsprung Skydiving Verona Landung

Ich grinse wie eine Blöde. Ich bin wirklich aus 4.000 Metern Höhe aus dem Flieger gesprungen! Ein unbeschreibliches Gefühl, die Angst zu überwinden und sich einfach fallen zu lassen. Und es ist genau so, wie Corrado gesagt hat: Je größer die Aufregung, desto intensiver das Erlebnis.

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