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Das versunkene Kirchlein von Vernagt

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Zwei Dörfer, eine Geschichte. Doch während der romanische Kirchturm vom einstigen Alt-Graun weithin sichtbar aus dem Reschensee ragt, als beliebtes Fotomotiv für Einheimische, Gäste und alle, die nur auf der Durchreise sind, liegt der Turm des Leiterkirchls von Vernagt meist verborgen in den Fluten des Vernagter Stausees. 1957, sieben Jahre nachdem im oberen Vinschgau die Dörfer Graun und Reschen und mit ihnen 163 Häuser dem Projekt Stausee und dem “nationalen Interesse zur Stärkung der nationalen Industrie” zum Opfer fielen, wurde auch die Vernagter Au geflutet.

Kirchturm Reschensee Vernagter Stausee Kirchturm im Reschensee und Leiterkirchl beim Vernagter Stausee

Auf den Fotos der Schautafel, die an die Schnalser Tragödie erinnert, zeigt sich ein idyllisches Bild der Vernagter Au mit sieben uralten Höfen und dem Leiterkirchl. Die sieben Höfe sind im 13. Jahrhundert erstmal urkundlich erwähnt, sollen aber ein oder zwei Jahrhunderte älter sein. Das hilft den Bauern, die die Höfe bewirtschaften, jedoch wenig. Der Stausee (als Anlage für das Wasserkraftwerk in Naturns) wird kommen und mit ihm der Untergang der Vernagter Au. Alte Fotos zeigen das Fluten der Höfe: Auf den ersten Blick wirken die aus dem Wasser ragenden Höfe wie Pfahlbauten.

Vernagter Au Stausee Die Vernagter Au wird geflutet.

In den Sommermonaten ist der Vernagter Stausee ein beliebtes Wanderziel. Die Rundwanderung um den Stausee führt meist durch den Wald, eine hölzerne Hängebrücke führt über eine kleine Schlucht und in der Nähe gibt es einen Hochseilgarten. Das Wasser des Stausees schimmert, je nach Wetter und Lichteinstrahlung, smaragdfarben, grau oder blau und niemand ahnt, was sich unter dem Wasser verbirgt. Denn versunken ist nicht nur das Kirchlein von Vernagt, fast vergessen ist auch seine Geschichte. Nur in den Wochen vor der Schneeschmelze, wenn der Stausee seinen niedrigsten Stand erreicht, gibt das Wasser den Turm frei. Nichts erinnert hier an das Postkartenmotiv des Reschensees: Der obere Teil des Turms ist eingefallen, Eisenstangen sichern den Turm.

Kirchturm Vernagter Stausee Der Turm des Leiterkirchls bei niedrigem Wasserstand

Rundherum weist der Lehmboden Risse auf und erinnert an trockenen Wüstenboden. Darunter scheint der Sand durch. Wir gehen in das Stauseebecken, dorthin, wo einst das Leiterkirchl stand. Das seichte Wasser am Ufer des Stausees zeigt die Spuren eines Reihers. Von den Höfen in der Nähe des Leiterkirchls gibt es keine Spuren mehr.

Boden Vernagter Stausee Boden im Stausee

Vernagter Stausee Der Vernagter Stausee im Sommer

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