Direkt unterhalb von Fondo, im italienischen Val di Non, verläuft eine 90 Meter tiefe Schlucht. In 100 Jahren gräbt sich der Fluss Rio Sass, der dem Canyon seinen Namen verleiht, einen Millimeter weiter in das Erdreich ein. Stege und zahlreiche Stufen machen den Canyon Rio Sass für die Besucher zugänglich und auch wir machen uns auf Empfehlung einer Freundin auf den Weg durch den Canyon.

Ausgestattet mit einem knallgelben Mäntelchen und einem Schutzhelm treten wir in die Schlucht ein und sehen schon auf den ersten Metern zwei Highlights: eine alte, römische Brücke und die Häuserfassaden, die senkrecht zum Canyon abfallen. Auf ein Highlight, das unser Guide bereits angekündigt hat, freue ich mich allerdings ganz besonders: auf die blutrote Felswand. Das Geheimnis hinter der Farbe liegt in roten Algen, die es europaweit nur hier und in Norwegen gibt. Bis 1964 färbten rote Algen auch den nahe gelegenen Lago di Tovel im Sommer blutrot, ein Phänomen, das sich nun leider nicht mehr beobachten lässt. Die Felswand im Canyon Rio Sass aber leuchtet im schönsten Rot.

Canyon Rio Sass Fondo Fondo, das einzige Dorf Italiens, das über einer Schlucht erbaut wurde

Canyon Rio Sass Eine besondere Alge färbt die Felswände rot ein.

Der Canyon Rio Sass ist nur im Rahmen einer zweistündigen Führung zugänglich. Wir bilden das Schlusslicht der Gruppe, um in Ruhe alles anschauen zu können: die geschliffenen Steine, die herzförmigen Abdrücke, die versteinerte Muscheln im Fels hinterlassen haben, die kleinen Wasserfälle. Wir hören das Tosen des Wildbachs Rio Sass, der in die Tiefe stürzt. Und ich würde mir mehr Zeit wünschen, alles auf mich wirken zu lassen. Doch so viel Zeit bleibt leider nicht, wenn wir den Anschluss an die Gruppe nicht ganz verlieren wollen. Einige Passagen sind düster, da von oben nur wenig Licht auf die enge Schlucht fällt. Ich setze vorsichtig den nächsten Schritt. Im unteren Teil öffnet sich der Canyon Rio Sass: Der Wildbach verläuft nun in einem breiten Bachbett. Es ist hell hier und das Tosen geht in ein schwaches Gurgeln und Plätschern über.

Fazit: ein faszinierender Canyon mit vielen Highlights, der – leider, aber verständlicherweise – nur mit Führung zugänglich ist. Führungen werden in italienischer Sprache als auch in gemischten Gruppen auf Deutsch und Italienisch angeboten, wobei sich die Ausführungen in beiden Sprachen in Grenzen halten. Gebucht werden kann die Tour vorab über die Cooperativa Smeraldo.

Aufsehen erregte der Canyon Rio Sass 2001, als ein vermeintliches Dinosaurierei gefunden wurde. Schnell stellte sich das Ei jedoch als einfacher Stein heraus. Der Stein kann noch heute im Besucherzentrum des Canyon Rio Sass begutachtet werden.

Vom Ein- und Ausgang des Canyons sind es nur einige Schritte zum Lago Smeraldo, einem kleinen Stausee. Seinen Namen verdankt der Stausee seiner Farbe, aber so richtig begeistern kann mich der See nicht. Da finde ich den kurzen Weg von Fondo zum See schöner. Vorbei an einer alten Mühle und einer kleinen Schlucht geht es zum Lago Smeraldo. Die Rundwanderung um den See verläuft eben und ist für jedermann leicht zu schaffen.

Fondo Wasserradbetriebene Mühle in Fondo

Lago Smeraldo Beim Stausee Lago Smeraldo

Ihr möchtet noch mehr zum Val di Non erfahren? Dann schaut mal bei Sabine von geckofootsteps.de vorbei: Sie hat ein paar Tage im Val di Non verbracht und die besten Urlaubstipps mitgebracht.