„Feeding the planet, energy for life“ („Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“) ist das Motto der diesjährigen Weltausstellung, die vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2015 in Mailand stattfindet. Nachdem Mailand nur etwas mehr als drei Stunden von Meran entfernt liegt und die Expo wohl nicht mehr so schnell in meiner unmittelbaren Umgebung veranstaltet wird, überlege ich nicht zweimal, als mich eine Freundin fragt, ob ich Lust habe, die Expo zu besuchen. Und ob ich Lust habe. Meine Schwester entschließt spontan mitzukommen und so düsen wir an einem Freitag Richtung Mailand.
Es ist kurz vor halb neun, als wir das Expo-Gelände in Mailand erreichen. Leider hat uns ein Stau kurz vor dem Ziel einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir haben kostbare Zeit auf der Autobahn liegen lassen. Nun ja.

Expo Mailand Die Weltausstellung 2015 findet in Mailand statt

Ich bin überrascht. Beim Eingang Merlata Sud sind wir beinahe die einzigen Personen, die durch die Sicherheitskontrolle wollen. Aber schon kurz danach merken wir, dass wir gerade eben bloß die Ruhe vor dem Sturm erlebt haben. Auf dem Hauptboulevard, dem „Decumanus“, wo sich alle nationalen Pavillons befinden, und dem „Cardo“ – hier sind die Pavillons der Regionen und Provinzen Italiens – wuselt es nur so von Menschen, die emsig das Gelände erforschen.
Wir spazieren zuerst den „Cardo“ entlang und machen einen kurzen Stopp beim Südtiroler Pavillon, „Live your Balance“ steht da in leuchtenden Buchstaben über dem Eingang zum gastronomischen Stand, der mit Speckbroten, Strudel, gutem Wein und anderen Leckereien jede Menge Besucher anlockt. Wer essen möchte, muss geduldig sein. Wie überall stehen auch hier die Leute in einer langen Schlange und warten, bis sie an die Reihe kommen.

Albero della vita Blick vom Südtiroler Pavillon auf den Albero della vita

Zum Glück müssen wir nicht lange warten, bis wir in den Pavillon dürfen und steigen dann die Konstruktion, die mit den vielen Holzstämmen an ein Baumhaus erinnert, empor. Oben bietet sich uns eine tolle Aussicht auf einen Teil des Expo-Geländes: Wir sehen den italienischen Pavillon, der sich als Baumschule neuer Energien, als Ort der Entwicklung, präsentiert; die bunten Segel des Pavillons von Kuweit und den „Albero della vita“ (Lebensbaum), einen 35 m hohen Baum aus sich ineinander verschlingendem Holz und Metall, der sein Farbenkleid permanent wechselt.

Italienischer Pavillon Der italienische Pavillon

Pavillons Ecuador, Kuweit, Deutschland Blick auf die Pavillons von Ecuador, Kuweit und Deutschland

Wieder auf dem „Cardo“ angekommen, bahnen wir uns den Weg zum Lebensbaum, was wegen der vielen Leute gar nicht so einfach ist. Bis ganz nach vorne zur Lake Arena schaffen wir es zwar nicht, aber wir haben trotzdem eine super Aussicht auf den Albero della vita, der einem Mosaik von Michelangelo nachempfunden wurde. Dann beginnt die Show, die den Lebensbaum fantastisch in Szene setzt: Wasserspiele, Lichteffekte und eine zauberhafte Musik, die Suite Tree of Life, begeistern uns so sehr, dass wir uns die Show gleich zweimal ansehen.

Lebensbaum Der Lebensbaum

Dann machen wir uns auf den Weg zu den nationalen Pavillons. Viele Ausstellungen sind schon geschlossen, was ein bisschen schade ist. Die Architektur der Pavillons selbst ist aber beeindruckend und faszinierend, vor allem die Beleuchtung am Abend, die die Pavillons in den buntesten und schönsten Lichtern erscheinen lässt, trägt zu einer unverwechselbaren und wunderschönen Stimmung bei.
Besonders gut gefallen mir der österreichische Pavillon mit seinem lebenden Wald und der iranische Pavillon, der einen wunderschönen Kräutergarten beherbergt und lokal produzierte Produkte wie Pistazien, Haselnüsse oder Rosinen vorstellt.

Türkischer Pavillon Der türkische Pavillon

Turkmenischer Pavillon Der turkmenische Pavillon

USA Pavillon Der Pavillon der USA – American Food 2.0

Iranischer Pavillon Der iranische Pavillon mit einem wunderschönen Kräutergarten

Am nächsten Morgen bietet sich uns am Eingang zum Expo-Gelände ein ganz anderes Bild. Hunderte Menschen warten bereits auf den Einlass. Die Sicherheitskontrolle haben wir bald hinter uns und wir kommen über eine Rampe schnell auf das Gelände. Ein Blick zurück auf den Eingangsbereich zeigt den immensen Ansturm: Es wimmelt nur so vor lauter Menschen. Immer mehr und mehr Personen wollen auf die Weltausstellung. Wahnsinn, denke ich mir und bin froh, dass ich es vor dieser unübersichtlichen Masse auf das Expo-Gelände geschafft habe.

Expo Mailand Massenansturm auf die Expo

„Coop. The supermarket of tomorrow“ sticht uns gleich ins Auge und wir erleben, wie wir vielleicht in Zukunft einkaufen werden. Ein hypermoderner Supermarket, in dem Roboter Arbeit erledigen und der Konsument über Touchscreens jede Menge Produktinformationen erhält. Mit Menschen besetzte Kassen? Fehlanzeige.

Supermarkt der Zukunft Werden so die Supermärkte der Zukunft aussehen?

Danach stolpern wir quasi in den spanischen Pavillon, der uns mit seinem Beitrag zum Thema Ernährung total überzeugt. Viel Zeit für die Ausstellung bleibt aber nicht. Die Masse lässt es nicht zu, die Besucher schieben sich gegenseitig durch die Ausstellung, hie und da ein schnelles Foto und schon sind wir wieder draußen. Viele Eindrücke in einer kurzen Zeit.
Wohin jetzt? Im Prinzip wollen wir alles sehen, was sich zeitlich aber nie ausgehen würde. Wir machen Abstriche und bewegen uns auf die Pavillons zu, die uns besonders interessieren – Kasachstan, China, Vietnam, Kolumbien, die Vereinigten Arabischen Emirate – und werden jedes Mal enttäuscht. Bei unseren Favoriten warten riesige Menschenschlangen auf den Einlass. Überall Wartezeiten von 2-3 Stunden und mehr. Wahnsinn!

Kasachischer Pavillon Der kasachische Pavillon – 4 Stunden Wartezeit

Pavillons China, Kolumbien Alle wollen nach China! Rechts im Bild der wunderschöne kolumbianische Pavillon[/caption]

Spiegelfassaden Spiegelfassaden

Thailändischer Pavillon Der Eingang zum thäiländischen Pavillon

Expo Mailand Überall Menschen, die auf den Einlass in die Pavillons warten

Die Menschenmassen sind überwältigend. So viele Leute auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Sie strömen in alle Richtungen, sind vor, hinter, links und rechts von uns. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht verlieren. Es ist laut, kein Wunder. Tausende von Menschen bewegen sich um uns herum.

Ansturm Expo Mailand Viele, viele Menschen

So lange Wartezeiten wollen wir nicht in Kauf nehmen und wir geben uns oft mit den allein schon architektonisch spektakulären Fassaden der nationalen Pavillons zufrieden. Letzten Endes sehen wir doch viele Ausstellungen, zwar nicht die jener Länder, die sowieso schon viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern die kleinerer, oft auch unbekannterer Staaten. Schlussendlich machen wir eine kleine Weltreise auf der Expo. Ich erlebe Spanien, Österreich, die Türkei, Iran, Kirgistan, Usbekistan, Afghanistan, Gambia, Moldawien, Sri Lanka, viele pazifische Inselstaaten und und und.

Afghanischer Pavillon Der afghanische Pavillon

Pavillon Sri Lanka Wandteppich im Pavillon von Sri Lanka

Am Ende sind wir ziemlich müde. K.o. trifft es eigentlich mehr. So viele Menschen, so viele Geräusche, so viele Informationen, die wir verarbeiten müssen. So anstrengend die beiden Tage auch waren, ein Erlebnis ist die Expo allemal. Und ein bisschen Wahnsinn.