Home Asien Kirgistan Durch das einsame Ak-Sai Tal: Berge, Pferde, Yaks und der Kol Suu...

Durch das einsame Ak-Sai Tal: Berge, Pferde, Yaks und der Kol Suu See

Author

Date

Category

Wer einmal da war, wird wiederkommen. Das schreibt der Reiseführer über Kirgistan. Und dieses Gefühl, wiederkommen zu wollen – oder besser noch – gar nicht weggehen zu müssen, überkommt mich beim Kol Suu See und im Ak-Sai Tal. Für dieses Tal hat der Reiseführer nur zwei Worte übrig: “extrem abgelegen”. Und das ist es wirklich. Allein die Fahrt von Naryn zu unserer Jurte im Ak-Sai Tal dauert fünf bis sechs Stunden. Wir passieren zwei Check-Points, da das Tal im kirgisisch-chinesischen Grenzgebiet liegt und eine Sondergenehmigung nötig ist. Das letzte Dorf liegt schon weit hinter uns, nur wenige Kilometer südlich von Naryn, danach begegnen uns nur noch Yaks, Schafe und Pferde.

Wir fahren durch ein atemberaubend schönes Tal, endlos weit mutet es an, umgeben von majestätischen Bergen. Wir passieren Schluchten und Canyons, fahren über abenteuerliche Schotterstraßen, über alte Holzbrücken und durch Flüsse hindurch. Beinahe könnte ich vergessen, dass nicht diese Fahrt alleine der Grund dafür ist, dass ich ins Ak-Sai Tal will, aber eben doch nur beinahe. Dafür freue ich mich schon zu lange auf den Kol Suu See. Monatelang habe ich recherchiert, geplant und gebangt, ob denn Wasser im See sein würde.

Ak Sai Tal Kirgistan Auf dem Weg durch das Ak-Sai Tal

Ak-Sai Kirgistan Tal Grasende Pferde …

Ak-Sai-Tal Yaks Kirgistan … und Yaks

Ak-Sai Kirgistan Einsam und wunderschön: Berge, Flüsse und ein weites Tal

Bei meinen Recherchen zu den schönsten Gebirgsseen in Kirgistan stoße ich neben dem Song Köl, dem Alaköl und dem Holy Lake auf den Kol Suu. Doch genauere Infos zum See kann ich kaum auftreiben. Der Reiseführer verliert kein Wort zum See, auf der Karte ist er nicht eingezeichnet und auch Wikipedia verlinkt nur auf einen Reisebericht in russischer Sprache. Hilfe bekomme ich vom CBT, dem Büro für den Community Based Tourism.

Drei Tage muss ich für den Trip ab Bishkek einplanen: einen Tag für die Fahrt von Bishkek nach Naryn, einen weiteren für die Fahrt durchs Ak-Sai Tal und die mittelschwere, wenn auch kurze Wanderung zum Kol Suu, einen dritten für die Rückfahrt nach Naryn. Ich benötige einen Permit, weil der See im Grenzgebiet zu China liegt, den ich aber problemlos mit einer Kopie vom Reisepass eine Woche vorher beim Guide beantragen kann. Das einzige Problem: Der See könnte Mitte/Ende August, also in der Zeit, in der wir unseren Trip geplant haben, schon ausgetrocknet sein. Vor einem Jahr, im Sommer 2014, war der See komplett ausgetrocknet. Zu schnee- und niederschlagsarm war der Winter. Kurz vor unserer Anreise wenden wir uns an Kubat-Tour und fragen noch einmal nach, ob denn auch sicher Wasser im See ist. Dann buchen wir unsere Tour.

Ak-Sai

Nach unserer mehrstündigen Fahrt erreichen wir das Ziel: drei Jurten an einem Fluss, mit Blick auf die schneebedeckten Berge. Erst vor drei Tagen hat es geschneit und auch im Tal selbst lagen ca. 10 cm Schnee, der aber schnell weggeschmolzen ist. Geblieben ist er nur auf den Bergspitzen. Unser Blick gleitet über die sanften Hügel, die weißen Gipfel, die weidenden Pferde bis hin zu den Felsen, in deren Senke der Kol Suu liegen muss. Am liebsten würde ich gleich aufbrechen, aber davor gibt’s noch einen heißen Tee von unserer Gast-Nomadenfamilie. Und dazu frisches, selbst zubereitetes und noch ofenwarmes Brot, das leckerste Brot, das wir auf der gesamten Reise kosten.

Ak-Sai Bergkette Angekommen: Blick auf schneebedeckte Berggipfel

Auf dem Weg zum Kol Suu

Dann brechen wir auf, hinauf zum Kol Suu (auch Köl-Suu oder Kel-Suu genannt). Der eigentliche Name aber ist Kol-Tethri, so verrät uns unser Guide, der “verkehrte” oder “Kopfüber”-See. Eine Fahrstraße führt hinauf zum Ufer des Sees, für Geländefahrzeuge mit Allradantrieb. Zu Fuß aber gelangen wir nicht auf die andere Seite, der Fluss trennt uns.

Der Weg führt zuerst beinahe eben, dann in einem doch ermüdenden Auf und Ab über die Berghänge bergan, vorbei an der Quelle des Flusses Kok-Kyia, der hier wie aus dem Nichts aus der Erde tritt. Nur noch wenige Höhenmeter trennen uns vom Kol Suu. Dann taucht er vor uns auf: Er liegt in einer Mulde, von steilen Felshängen eingerahmt, auf etwa 3.500 Metern. Das Wasser schimmert grün und blau, tief hängen die Wolken über den Bergen. Und bald fallen auch schon die ersten Regentropfen. 12 Kilometer ist der See lang, an den schmalsten Stellen nur zwei bis drei Meter breit. Das erzählt uns Kubat. Im nächsten Jahr möchte er auch Kanu-Fahrten auf dem See anbieten. Vielleicht kommen wir ja in ein paar Jahren wieder, meint mein Freund. Das wäre schön.

Ak-Sai Tour Kubat Guide Kubat auf dem Weg zum Kol Suu

Ak-Sai Kol-Suu Der Fluss Kok-Kyia durchzieht das Tal.

Kol Suu Steile Felsklippen und smaragdgrün schimmerndes Wasser: Am Ufer des Kol Suu

Noch finden nur wenige Touristen den Weg zum Kol Suu, aber das wird sich in den nächsten Jahren ändern, schätzt Guide Kubat. Ich denke, er hat recht und weiß nicht so recht, ob ich das gut oder weniger gut finde.

Kol Suu Bergsee Kirgistan

Es fängt an zu schneien und wir müssen wieder zurück zur Jurte. Es fällt mir schwer, mich loszureißen. Der Kol Suu liegt eben mal nicht nur schnell um die Ecke und wer weiß, ob ich wirklich wiederkommen werde? Für den nächsten Tag ist ein Reitausflug geplant, vielleicht führt uns der Weg ja dann noch einmal zum Kol Suu …

Jurte Kirgistan Zurück bei der Jurte

Reitausflug an die Grenze zu China

Am nächsten Morgen warten die gesattelten Pferde auf uns. Nicht unser Guide, sondern der Jurten-Inhaber begleitet uns. Schon nach kurzem wird klar, dass es nicht zum Kol Suu geht. Wir reiten durch die endlos scheinende Weite des Tales, hinter jedem Bergzug öffnet sich ein neues Tal, von einem Fluß durchzogen, wieder umgehen wir einen Bergzug, wieder liegt dahinter ein Tal. Wie gewaltig dieses Tal doch ist! Wir begegnen ein paar Nomaden, Yaks, die auf den saftigen Weiden grasen, flinken Murmeltieren, die eilig in ihren Bauten verschwinden, wenn sie uns hören. Dann geht es auf eine Anhöhe hinauf. Oben angekommen, steigen wir vom Pferd. Etwas ungelenk vom vielen und für mich ungewohntem Sitzen auf einem Pferd steige ich ab und mache ein paar wackelige Schritte.

Vor uns liegt ein gewaltiger Bergzug, zum Teil von Schnee durchzogen. Der Nomade deutet mit der Hand zu den Bergen: “China”. Zum Greifen nahe scheinen die Berge. Vor wenigen Tagen wurden auf chinesischer Seite zwei russische Touristen aufgegriffen. Sie hatten sich hier im kirgisisch-chinesischen Grenzgebiet verirrt und waren über die Grenze gegangen. Ohne Visum ging es für sie als illegale Einwanderer ab ins chinesische Gefängnis. Auch deshalb bin ich froh, diese Tour gebucht zu haben und mit Menschen unterwegs zu sein, die dieses Tal kennen.

Bergkette China Kirgistan An Kirgistans Grenze: Die Berghänge sind Lebensraum vom berühmten Marco-Polo-Schaf.

Wir sitzen einfach hier und schauen auf den Bergkamm. “Argali”, sagt unser Pferdeführer, und deutet auf die mächtigen Berghänge. “Marco Polo?” Er nickt und deutet mit den Fingern große, geschwungene Hörner an. Wir suchen den Berg ab, aber ein Marco-Polo-Schaf will sich uns nicht zeigen. Für uns wird es Zeit, aufzubrechen. Wenn wir noch Zeit hätten, könnten wir um den nächsten Gebirgszug herumreiten und auf einem anderen Weg zurück zur Jurte reiten. So aber geht es für uns auf dem Hinweg zurück. Auf dem Rückweg wird mir schmerzhaft bewusst, dass mein Gesäß nicht ans Sitzen auf einem Pferdesattel gewohnt ist. Nach insgesamt gut dreieinhalb Stunden im Sattel steige ich wieder vom Pferd, die Beine scheinen nicht recht vorwärts zu wollen. Ich stakse mehr Richtung Plumpsklo, als dass ich gehe. Wie anmutig sitzen im Gegensatz dazu selbst die kleinen Nomadenkinder im Sattel!

Nomadenkinder Kirgistan

Noch ein letzter Tee, etwas Brot und Fleisch und Tomate, dann heißt es Aufbruch. Ich will aber nicht gehen und habe das sichere Gefühl, dass nichts auf unserer Reise mehr so schön sein wird wie der Tag im Ak-Sai Tal.

Praktische Tipps für einen Ausflug durchs Ak-Sai Tal und zum Kol Suu See (Stand: August 2015)

Anreise: Mit dem Sammeltaxi von Bishkek nach Naryn: 500 Som pro Kopf

Geführte Tour mit Kubat-Tour inklusive Permit, Fahrt, Kost, Übernachtung in einer Jurte und Reitausflug: 9.700 Som pro Kopf

Link-TippEin bildgewaltiger Bericht über den Süden Kirgistans (auf Englisch) 

7 Kommentare

  1. Wow. Der Reiseführer hatte wahrscheinlich recht mit seiner Beschreibung “extrem Abgelegen” oder?
    Die Fotos sind der Wahnsinn. Vor allem die grünen Weiden und die schneebedeckten Berge im Hintergrund haben mich total begeistert. Vielleicht sollte ich Kirgistan auch auf meine Liste aufnehmen. :)

    Liebe Grüße,
    Lynn

    • Ja, damit hatte der Reiseführer allerdings recht. ;-) Aber allein die mehrstündige Fahrt war schon ein Erlebnis. Wenn du die Natur magst, dann ist Kirgistan bestimmt etwas für dich. :-)
      LG
      Michi

  2. Hallo Michi,

    Gratulation zu dieser tollen Tour (und dem Bericht natürlich)! Das wäre genau der richtige Trip für mich ;-) Wir waren übrigens fast zeitgleich in Kirgistan. Ich war leider nur eine knappe Woche dort und deshalb nicht in der von Dir besuchten Region – beim nächsten Mal dann. Denn bei Deiner Einleitung dieses Beitrags, hast Du definitiv Recht: “Wer einmal da war, wird wiederkommen. Das schreibt der Reiseführer über Kirgistan.”

    Liebe Grüße,
    Heiko

    • Hallo Heiko,
      die Tour war wirklich großartig. Wenn du einsame Gegenden und Bergseen magst, ist der Trip definitiv etwas für dich. Eine Woche ist schon etwas knapp für so ein vielseitiges Land, aber unsere zehn Tage waren auch zu kurz. ;-) Ich würde auch gerne noch mal nach Kirgistan, dann wieder in den Süden, aber auch in den Westen – nach Arslanbob, Toktogul und zum Sary-Tschelek. Es gibt noch so viel zu entdecken!
      LG
      Michi

  3. absolut tolle bilder! hätte gern zeit gehabt für so einen Gebirgssee – den bildern nach zu urteiln hätte es sich absolut gelohnt. Naja beim nächsten mal!
    glaub mich hat bisher kein land so beeindruckt wie Kyrgyzstan!

    • Kann dir nur zustimmen. Kirgistan ist so ein faszinierendes Land und in ein paar Tagen schafft man einfach nicht alles. Aber das Ak-Sai Tal und den Kol Suu See kann ich nur empfehlen. Mein absoultes Kirgistan-Highlight! Ich würde sofort wieder hinfahren.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel