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Afrika, Land der Menschen

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“Africa is not just about wild animals. It’s about the people.” Das sagte uns einer unser zwei selbst ernannten Stadtführer durch Arusha. Wer in Arusha ankommt, hat – so wie wir – meist nur ein Ziel: eine Safari durch die Nationalparks im Norden. Der Kontakt mit den Einheimischen beschränkt sich dabei nur auf den Guide, auf das Hotelpersonal und auf einen organisierten Besuch bei den Massai. Dabei steckt nicht nur Tansanias Tierwelt voller Vielfalt: 120 Stämme leben hier, jeder mit seiner eigenen Sprache. Zur gemeinsamen Verständigung dient Swahili. Und ein paar Worte wollen uns auch unsere Stadtführer beibringen: Hakuna matata – kein Problem. Pole, pole – langsam, langsam. Sie zeigen uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt: den Clock Tower mit der Coca Cola Uhr, das Freiheitsdenkmal und den Markt. Weil die Einheimischen gerne frisches Obst und Gemüse essen, gehen sie jeden Tag auf den Markt.

Markt Arusha
Markttreiben in Arusha

Unsere zwei Guides führen uns auch zur Kirche und zur größten Moschee in Arusha. Auf dem Festland leben Muslime und Christen friedlich zusammen. Spannungen gibt es hier nicht. Auch eine Heirat zwischen Moslems und Christen ist keine Seltenheit. In solchen Fällen wechselt die Frau einfach die Religion.

Ein anderes Bild zeigt sich auf Sansibar: Hier sind etwa 90 % aller Einwohner Moslems. Schleier und Burkas, mal bunt, dann wieder schwarz, prägen hier das Bild. Den Beach Boy, der uns eine Tour nach Stone Town und Prison Island verkauft, interessiert das wenig: “I’m a Rastaman. I don’t go to the mosque. I don’t go to church. I just live.”

Rastaman Sansibar
Rastaman: “I just live.”

Nur einen Dollar bräuchten die Einheimischen, um einen Tag essen und trinken zu können. Viel Geschäft scheint der Rastaman nicht zu machen. Gemeinsam mit anderen Beach Boys verbringt er seine Tage am Strand, in der Hoffnung, einem Neuankömmling eine Tour verkaufen zu können. Andere verkaufen Holzschnitzereien und Bilder. Die meisten sind freundlich, wenn wir dankend ablehnen: Hakuna matata. Einer aber sagt uns: “Ja, schön ist es auf Sansibar. Das erzählt nur daheim. Und dann sagt auch, dass ihr den Einheimischen nicht geholfen habt. Aber: Hakuna matata, we will survive!” Ich habe ein ungutes Gefühl: Ich verstehe, dass die Strandverkäufer nicht viel Geschäft machen und nur wenig zum Leben haben, aber doch kann ich nicht jedem etwas abkaufen. Auch Massais sind während der Saison auf Sansibar. Sie arbeiten als Wächter, führen am Abend ihre traditionellen Tänze auf und führen kleine Stände mit Holzfiguren, Tüchern, Armbändern. Die hochgewachsenen Massai-Männer sind aber auch Ziel der Begierde einiger Touristinnen. Ich habe mir sagen lassen, dass Sansibar das Pendant zu Thailand sein soll.

Fabio, ein Massai, der in einer Hotelanlage im Norden arbeitet, erzählt, dass er von Juli bis März auf Sansibar ist. Mit Beginn der Regenzeit kehre er dann zu seiner Familie zurück, in die Nähe von Arusha, da, wo man nachts noch die Sterne sehen kann. “Ihr habt ja so viele Lichter”, meint er lachend, “dass man die Sterne nicht mehr sehen kann.” Ein anderer Massai, der uns am Strand begleitet, kommt aus der Ngorongoro Conservation Area, dort, wo wir während unserer Safari ein Massai-Dorf besucht haben. Ob wir die Big Six gesehen haben? Die Big Six, frage ich etwas irritiert. Ich weiß nur von den Big Five: Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard. Die Massai, das seien die sechsten im Bunde. Und ja, wir haben sie gesehen: wie sie mit ihren Herden, Kühen und Ziegen, über das trockene Land ziehen, wie sie ihre traditionellen Tänze aufführen und ihre Herden zum Wasser in den Ngorongoro-Krater führen.

Massai traditioneller Tanz
Massai-Frauen beim traditionellen Tanz

Wir haben auch ein Massai-Dorf besucht: 20 Dollar Eintritt pro Kopf. “Take as many photos as you want, ask as many questions as you can”, werden wir dann aufgefordert. Sie führen ihren traditionellen Tanz auf, zeigen uns die Schule und ihre Hütten. Mit dem Geld, das sie mit Touristengruppen einnehmen, kaufen sie Wasser. Die Massai sind Nomaden, sie ziehen dem Wasser hinterher. Doch wohin ziehen, wenn in der Trockenzeit kein Wasser da ist? Früher lebten sie im Ngorongoro-Krater, dann wurden sie daraus vertrieben, damit die einzigartige Tierwelt im Krater erhalten bleibt. Heute gibt es die stillschweigende Übereinkunft, dass die Massai ihre Herden in den Krater hineinführen können, bis zur ersten Wasserstelle, nicht weiter. Ein langer Weg ist es, hinein in den Krater und wieder hinaus, den die Massai jeden Tag auf sich nehmen.

Massai Herde Ngorongoro
Rinder-Herde der Massai im Ngorongoro Krater

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