Meine Augen beginnen zu leuchten, als wir den Flughafen in Larnaca anfliegen: Unter uns schimmert das Meerwasser in den schönsten Farben. Kaum zu glauben, dass ich nicht für einen Badeurlaub nach Zypern, der drittgrößten Mittelmeerinsel nach Sardinien und Sizilien, gekommen bin. Aber in den Wintermonaten von Dezember bis April ist das Baden vor allem etwas für Hartgesottene.

Die Insel der Götter, wie Zypern genannt wird, wurde im Laufe der Jahrtausende von verschiedenen Kulturen und Völkern besiedelt und geprägt: Ägypter, Griechen, Römer, Venezianer und Osmanen herrschten über die Insel, um nur einige Eroberer zu nennen. 1878 trat der Sultan Zypern an die britische Krone ab, erst 1960 wurde Zypern von Großbritannien unabhängig. Seit 1974 ist die Insel geteilt, denn als der zyprische Präsident Mákarios mit Hilfe von Griechenlands Militärregierung gestürzt wurde, griff die Türkei ein und besetzte den Norden des Landes.

Wir bleiben während unseres einwöchigen Aufenthaltes im Süden der Insel, in der Republik Zypern, die seit 2004 der Europäischen Union angehört und wo mit Euro bezahlt wird. Der Norden, die Türkische Republik Zypern, ist völkerrechtlich nicht anerkannt. Eine „Green Line“ trennt die beiden Gebiete.

Zypern ist also reich an Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Die Insel verzaubert aber vor allem mit einer schönen, abwechslungsreichen Landschaft, einer artenreichen Flora und atemberaubenden Ausblicken und ist jetzt im Frühling ein tolles Reiseziel.

Paphos

Im Troodos-Gebirge

Unsere erste Wanderung führt uns ins Troodos-Gebirge, dessen höchste Erhebung der Olympos (1952 m) ist. Hier kann man im Winter sogar Schi fahren. Schnee liegt hier auch jetzt noch an manchen Stellen. Wir wandern auf dem 13 km langen Madari Circular Trail bis zur Madari Fire Look out Station, wo wir eine Rast einlegen und schöne Ausblicke auf eine karge, hügelige Landschaft und einsam gelegene Dörfer haben. Auf dem Trail entdecken wir einige endemische Pflanzen, wie zum Beispiel die Goldeiche.

Madari Circular Trail

Fire Lookout Station

Madari

Aussicht von Fire Lookout Station

Macheras

Entlang des Pedieus Baches wandern wir zum Kloster Macheras, dessen Ursprünge auf das 12. Jahrhundert zurückgehen. Wir bekommen einen Einblick in das Leben der etwa 30 Mönche, die hier leben und wohnen einer orthodoxen Messe bei. Später geht es über schmale Ziegenpfade mit steilen Auf- und Abstiegen nach Lazania, einem idyllischen Bergdorf, wo heute nur mehr um die 40 Personen leben. Hier blühen die Mandelbäume um die Wette.

Zypern

Macheras

Zypern

Lazania

Ein bisschen Kultur

Ohne ein bisschen Kultur geht es doch nicht. Zunächst spazieren wir durch Limassols Altstadt und stöhnen unter der gleißenden Sonne. Am neuen Hafen gönnen wir uns in einem Café eine kühle Erfrischung und lassen unseren Blick entspannt über die vielen bunten Boote und Luxusjachten schweifen. Wir besichtigen die Johanniterburg Kolossi, besuchen in Kourion ein antikes griechisches Theater und beschäftigen uns mit Aphrodite, die dem Mythos zufolge auf Zypern dem Meer entstieg. Ein Halt beim Aphrodite-Heiligtum in Kouklia und bei den Felsen der Romäer, im Volksmund Aphrodite-Felsen genannt, ist sehr zu empfehlen.

Marina Hafen Limassol

Kourion

Fels der Romäer

Kouklia

Bei der Avagas-Schlucht

In Innia beginnen wir unsere heutige Wanderung. Auf Feldwegen wandern wir an Weinbergen vorbei und genießen schöne Blicke auf das Meer. Nachdem wir an  zahlreichen Johannisbrotbäumen vorbeigewandert sind und ein Labyrinth von Wacholderbüschen durchquert haben, gelangen wir zur Avagas-Schlucht, die ein heute nur mehr schmaler Bach im Laufe der Zeit in das Kalkgestein der Küstenlandschaft gegraben hat. Wir wandern oberhalb der Schlucht entlang und beenden unsere Wanderung schließlich direkt an der Küste.

Innia, Zypern

Innia Zypern

Avagas

Zypern

Auf einsamen Ziegenpfaden

Der schönste Tag der Woche beginnt mit einem launischen Wetter. Schnell wechselndes Wetter beglückt uns zunächst mit einem wolkenlosen Himmel und viel Sonnenschein, beschert uns bald aber auch dunkle Regenwolken, sodass wir sogar unsere Regenjacke anziehen müssen. Der Wettergott entscheidet sich dann aber doch zu unseren Gunsten und wir wandern bei schönstem Wetter über einen Ziegenpfad auf eine Hochebene, wo sich uns ein fantastisches Panorama offenbart: steil abfallende Klippen, die mit ihrem kalkigen Weiß in schroffem Kontrast zum Meer stehen, das in den schönsten Blautönen schimmert. Ein köstliches Picknick zu Mittag an der Küste mit Ausblicken auf eine herrliche Landschaft ist das Sahnehäubchen dieses wunderbaren Tages.

Hochebene Zypern

Bei Paphos Zypern

Paphos

Picknickplatz bei Paphos

Akamas

Auf der Halbinsel Akamas, die wegen der einmaligen Flora und Fauna unter Naturschutz steht, wandern wir auf dem touristischen Aphrodite-Trail, der wunderschöne Blicke auf die Nordwestküste freigibt. Während wir auf den anderen Wanderungen kaum einer Menschenseele begegnet sind, kommen uns hier scharenweise Wanderer entgegen. Trotzdem ist diese Wanderung sehr empfehlenswert, die Farben des Meeres lassen mich erneut schwärmen. Am Ende des Trails besichtigen wir noch das sagenumwobene Bad der Aphrodite.

Akamas

Aphrodite-Trail

Zypern

Akamas-Halbinsel

Sprung ins kalte Wasser

Ich kann nicht widerstehen. Die Sonne lässt das Meer wie kleine Diamanten schimmern und das glasklare Wasser und die schönsten Farbnuancen verführen mich letzten Endes doch. Ich springe ins kalte Märzwasser und – wie könnte es anders sein – genieße es in vollen Zügen. Das Vergnügen ist von kurzer Dauer. Los geht’s. Ab nach Hause. Wo nicht die Götter wohnen, sondern der Winter nochmal herzlich grüßen lässt.

Paphos

Paphos

Auf der Insel der Götter lässt es sich aushalten: Eine wunderschöne Naturlandschaft (wenn leider manchmal auch Umweltsünden sichtbar sind), viel Kultur und köstliches Essen machen definitiv glücklich!