Wer schon einmal in Neuseeland war, wird mir recht geben: Das Land ist wie gemacht zum Wandern.

Auf der Südinsel locken Wanderungen durch sich wandelnde Landschaften: Regenwald, Weideland, Gletscher, Küsten, Alpen. Und auf der Nordinsel ist es insbesondere der Tongariro Alpine Crossing, der tagtäglich Hunderte von Wanderern anzieht.

Wir entscheiden uns bei unserer Neuseeland Rundreise für einen bunten Mix aus kürzeren Touren, Halbtagestouren und Tageswanderungen. Das Wetter ist im Frühling recht unbeständig, aber Neuseeland ist ja bekannt dafür, dass man an einem Tag vier Jahreszeiten erleben kann. Wir wandern in Neuseeland bei Regen genauso wie bei strahlendem Sonnenschein, auch Hagel, Schnee und Wind sind mit dabei. Trotzdem ist das Frühjahr eine gute Wanderzeit: Die Natur zeigt sich von ihrer bunten Seite und die Highlight-Touren sind noch nicht so überrannt wie zur Hauptreisezeit von Mitte Dezember bis Ende Januar. Die besten Tipps zum Wandern in Neuseeland

Wandern Neuseeland: Die Südinsel

Wanderung zu den Sealy Tarns, Mount Cook National Park

Wandern Neuseeland Sealy Tarns

Die Wanderung vom DOC-Campingplatz White Horse Hill zu den Sealy Tarns, unsere erste Tour in Neuseeland, ist wunderschön – und ziemlich anstrengend. Wir machen Bekanntschaft mit einer Eigenheit neuseeländischer Wanderwege: den Stufen. Rund 2.200 Stufen wandern wir bergan und mit jeder Stufe wird der Ausblick schöner und schöner. Unser Blick fällt auf den Mount Sefton, den Mueller Lake und das Hooker Valley. Die Vegetation mutet mediterran an: Bäumchen, Sträucher und Blumen säumen den Weg. Als wir den Wasserspiegel erreichen, hüllt sich der Mount Sefton leider in Wolken. Von hier könnte man noch weiter zur Mueller Hut wandern, wir aber entscheiden uns für den Rückweg, weil wir am Nachmittag noch ins Hooker Valley wollen.

Tourdaten: 5 km, 550 Höhenmeter, 2,5 h

Fazit: Aussicht und Erlebnis sind top, aber etwas Kondition sollte man für diese Wanderung schon mitbringen.

Hooker Valley Track, Mount Cook National Park

Hooker Valley

Die Wanderung ist vor allem eins: abwechslungsreich! Wir gehen über schaukelnde Hängebrücken, offenes Grasland und stehen am Ufer eines Gletschersees. Beim Blick zurück sehen wir das Türkis des Lake Pukaki in der Sonne leuchten. Der  Hooker Valley Track weist keine nennenswerten Höhenunterschiede auf und hält auch sonst keine technischen Schwierigkeiten parat, uns steckt allerdings noch der Aufstieg zu den Sealy Tarns in den Knochen.

Tourdaten: 10,5 km, 150 Höhenmeter, 3 h

Fazit: Naturliebhaber kommen bei dieser Wanderung ins Schwärmen. Auf einsamen Pfaden wandert man anderswo.

Rundwanderung über The Chasm and Lovers Leap, Otago Peninsula

The Chasm Otago Peninsula

Die Rundwanderung über The Chasm und Lovers Leap führt uns durch einen windgepeitschten Zypressen-Wald, über Weideland mit Blick auf die Küste der Otago Peninsula und über die Sandymount Sanddünen. Die Felsklippe The Chasm und die Aussichtsplattform Lovers Leap finde ich weniger spektakulär als die Wanderung selbst.

Tourdaten: 2,6 km, 200 Höhenmeter, 1 h

Fazit: Eine Rundtour mit schönen Ausblicken und abwechslungsreicher Landschaft!

Key Summit, Fiordland National Park

Key Summit

Wenn man in Fiordland nur Zeit für eine einzige Wanderung hat, lese ich vorab im Internet, so soll man zum Key Summit wandern. Startpunkt der Wanderung ist beim Parkplatz „The Divide“ auf der Anfahrtsstraße zum Milford Sound. Die Wanderung ist relativ kurz, führt durch den Regenwald und am Key Summit soll sich eine schöne Aussicht auf den Lake Merian und die umliegenden Berge bieten. Wir aber stehen im Schnee und von Nebel umhüllt auf dem Summit, schön ist die Wanderung trotzdem, schon allein wegen der moosbehangenen Bäume. Ich fühle mich wie in einem Märchenwald. Das erste Stück der Wanderung führt übrigens auf dem Routeburn Track – einer der insgesamt neun Great Walks – entlang.

Tourdaten: 7 km, 400 Höhenmeter, 2,5 h

Fazit: Eine kurze, aber schöne Wanderung, die ich bei guter Sicht sofort noch einmal machen würde.

Queenstown Hill, Queenstown

Queenstown Hill

Vom Queenstown Hill kann man wunderbar über den Lake Wakatipu und die Stadt Queenstown blicken. Obwohl wir schon mit der Gondola auf dem Bob’s Peal waren, nehmen wir doch auch den Weg auf den Queenstown Hill in Angriff. Der Weg selbst ist wenig spektakulär, der Aufstieg lohnt sich nur für die Aussicht.

Tourdaten: 10 km, 500 Höhenmeter, 3,5 h

Fazit: Die Wanderung kann man machen, ein Muss ist sie aber nicht.

Lake Sylvan, Mount Aspiring National Park

Lake Sylvan

Unser ursprünglicher Plan zum Lake Rere zu wandern, wird von der allzu abenteuerlichen Anfahrtsstraße zunichte gemacht. Wir entscheiden uns kurzerhand, zum Lake Sylvan zu wandern. Die Wanderung ist super für Familien mit Kindern geeignet. Wir balancieren über Baumstämme, wandern entlang alter Eisenbahnschienen durch Buchenwald und über eine Hängebrücke. Nach Regenfällen ist der Boden etwas sumpfig, also besser Bergschuhe anziehen.

Tourdaten: 8 km, 70 Höhenmeter, 2 h

Fazit: Die Wanderung ist gemütlich und schön und schön gemütlich. Ideal für alle kleinen und großen Kinder. 😉

Roys Peak, Wanaka

Roys Peak

Die erste Tageswanderung in Neuseeland führt uns auf den Roys Peak. Der Weg führt durch das Weideland und wäre nicht besonders aufregend, wenn uns nicht die wirklich fantastische Aussicht auf den Lake Wanaka begleiten würde. Auch das Wetter zeigt sich von seiner schönsten Seite. Allein sind wir auf der Wanderung nicht, um 9 Uhr ist der Parkplatz bereits gut gefüllt. Besonders beliebt ist die Tour auch als Sonnenaufgangstour. Auf dem Weg nach oben sind mehr als 1.200 Höhenmeter zu überwinden, aber wie steht auf der Wanaka-Broschüre: „hard but worth it“. So ist es.

Tourdaten: 16 km, 1.200 Höhenmeter, 6,5 h

Fazit: Eine Tour mit unglaublichen Ausblicken! Technisch nicht anspruchsvoll, etwas Ausdauer sollte man aber schon mitbringen.

Rob Roy Glacier Track, Wanaka

Rob Roy Glacier

Eine zweite Tour in der Nähe von Wanaka führt uns zum Rob Roy Glacier. Allerdings gilt es bis zum Start der Tour eine Schotterpiste mit zahlreichen Furten zu meistern. Wir wandern wieder über eine Hängebrücke, vorbei an einem idyllischen Flusslauf. Bei einem ersten Lookout erhaschen wir einen Blick auf den Gletscher, noch schöner ist es aber, beim Endpunkt der Wanderung auf einem Stein zu sitzen und den Blick über den Gletscher gleiten zu lassen.

Tourdaten: 10,5 km, 700 Höhenmeter, 3,75 h

Fazit: Eine tolle Wanderung und eine schöne Gegend. Machen!

Wanderung um den Lake Matheson

Lake Matheson

Die beste Zeit für diese kurze Wanderung ist der Morgen oder der Abend, wenn der See ruhig daliegt und sich der Mount Cook im Wasser des Lake Matheson spiegelt. Wir umrunden den See am späten Nachmittag. Anfangs ist das Wasser noch unruhig, dann aber haben wir Glück und sehen die Spiegelung, für die der See so berühmt ist. Die Wanderung selbst ist einfach und für alle geeignet.

Tourdaten: 4 km, 50 Höhenmeter, 1,25 h

Fazit: Bei dieser Wanderung ist der Zeitpunkt entscheidend. Die Schönheit des Sees liegt in der Spiegelung!

Wanderungen zu den Gletscherzungen, Fox Glacier & Franz Joseph Glacier

Franz Joseph Glacier

Die beiden Gletscher, Fox Glacier und Franz Joseph Glacier, ziehen sich mehr und mehr zurück. Auf Fotos sehen wir, wie weit sich der Gletscher seit 2008 zurückgezogen hat. Ein trauriger Anblick. Hinweistafeln am Startpunkt der Wanderung zeigen, bis zu welchem Punkt man sich vorwagen kann. Jeden Tag checkt ein DOC Beauftragter die Lage, damit die Wanderung zur Gletscherzunge sicher ist. Der Weg führt durch eine öd anmutende Landschaft: Der Gletscher hat bei seinem Rückzug eine Geröllwüste freigelegt.

Fazit: Wer nur eine der beiden Wanderungen machen will, sollte zur Gletscherzunge des Franz Joseph Glaciers wandern. Oder noch besser: eine Gletschertour mitmachen!

Mount Robert Circuit Track, St. Arnaud

Mount Robert

Den Mount Robert Circuit Track kann man im als auch gegen den Uhrzeigersinn wandern. Wir wandern im Uhrzeigersinn und entscheiden uns für den Aufstieg über den Paddy’s Track und den Rückweg über den Pinchgut Track. Die Tour bietet tolle Ausblicke über den Lake Rotoiti und führt durch die für Neuseeland so typische Tussock-Landschaft. Zurück geht es über einen märchenhaften Buchenwald.

Tourdaten: 8,5 km, 600 Höhenmeter, 3,5 h

Fazit: Schöne Landschaft, schöne Tour, schöne Aussicht! Wer mehr Zeit hat, sollte die Tour ausdehnen und zum Lake Angelus wandern.

Wandern Neuseeland: Die Nordinsel

Pouakai Crossing

Pouakai Crossing

Die nasseste Wanderung meines Lebens. Im Kopf habe ich Bilder eines klaren Wasserspiegels, in dem sich der Mount Taranaki spiegelt. In Wirklichkeit begleiten uns Regen, Wind und Hagel auf der Tour. Von einem Blick auf den schönen Taranaki können wir nur träumen. Trotzdem ist die Wanderung auf dem Pouakai Crossing ein Highlight: Eine üppige Vegetation, eine Sumpflandschaft und wenn sich zwischendurch doch der Nebel lichtet, Ausblicke auf eine wunderbare Landschaft machen die Tour unverwechselbar.

Tourdaten: 17 km, 800 Höhenmeter im Aufstieg / 1.200 Höhenmeter im Abstieg, 7 h

Fazit: Bei Regen oder nach Regenfällen sollte man die Tour besser nicht machen. Hier hilft auch wetterfeste Kleidung nicht mehr weiter. Bei schönem Wetter allerdings würde ich die Tour sofort noch einmal machen.

Tongariro Alpine Crossing

Tongariro Crossing

Wer in Neuseeland wandern geht, kommt am Tongariro Crossing nicht vorbei. Auch für mich zählt die Tageswanderung im Tongariro Nationalpark zu den Highlights. Die Tour verlangt mit 19,4 Kilometern und 800 Höhenmetern einiges an Ausdauer, dafür wird man entlang der Wanderung mit wunderbaren Ausblicken auf den Mount Ngauruhoe, die Emerald Lakes und den Lake Taupo belohnt.

Tourdaten: 19,4 Kilometer, 800 Höhenmeter im Aufstieg / 1.100 Höhenmeter im Abstieg, 6,5h

Fazit: Auf dieser Tour sind wirklich extrem viele Wanderer unterwegs, aber wen wundert’s? Eine Traumtour, die man einfach machen muss, wenn man in Neuseeland ist und das Wetter einem wohlgesonnen ist.

Coromandel Coastal Walk

Coromandel Coastal Walk

Auf der Coromandel Peninsula merke ich, dass meine Energie nach über vier Wochen on the road langsam nachlässt. In den ersten Tagen unserer Neuseeland-Reise wären wir den Wanderweg von der Fletcher Bay zur Stony Bay gelaufen, hin und retour. So entscheiden wir uns für eine Wanderung von der Fletcher Bay bis zu einem ausgeschilderten Aussichtspunkt und gehen dann an der Küste wieder zurück. Die Tour bietet schöne Ausblicke über die Küste und das Hinterland. Auch die Anfahrt zur Fletcher Bay (großteils Schotterpiste) ist ein Erlebnis. Besonders empfehlenswert ist die Fahrt im Dezember, wenn die Pōhutukawa in voller Blüte stehen.

Tourdaten: 13 km, 650 Höhenmeter, 4,5 h (Der gesamte Wanderweg – hin und retour – ist 20 km lang und dauert ca. 7 h)

Fazit: Eine schöne Wanderung in ruhiger Gegend. Wer sich die Coromandel Peninsula abseits von Cathedral Cove und Hot Water Beach anschauen will, ist hier richtig.

Genaue Wanderbeschreibungen zu allen Touren findet ihr auf der DOC-Seite Walking and tramping.

Weitere Tipps zum Wandern Neuseeland

Hier noch ein paar Tipps für Wanderungen  in Neuseeland, die wir selbst leider nicht gemacht haben. 1. Weil die Zeit nicht reichte. 2. Weil das Wetter nicht mitspielte. 3. Weil wir erst im Nachhinein von großartigen Wandertouren erfahren haben.

  • Gertrude Saddle, Fiordland National Park: Bei unserer Kajaktour im Abel Tasman National Park schwärmt Guide Brian von dieser Tageswanderung in der Gegend vom Milford Sound. Sie ist zwar anstrengend, dafür aber ein echtes Highlight in landschaftlicher Hinsicht: ein grünes Tal, ein Bergsee, Gletscherblick – und sogar ein Teil des Milford Sounds ist von hier oben zu sehen. Bei dieser Schwärmerei möchte ich am liebsten selbst sofort losstarten und bedaure, dass der Milford Sound bereits hinter uns liegt. Für die nächste Reise nach Neuseeland steht diese Tour ganz oben auf meiner Wanderliste!
  • Isthmus Peak, Wanaka: In Wanaka stellt sich uns die Frage: Roys Peak oder Isthmus Peak? Wir entscheiden uns für ersteren, doch ich weiß, dass mir auch die Wanderung auf den Isthmus Peak gefallen würde: zwar ebenso anstrengend, aber weniger überlaufen. Von hier fällt der Blick auf beide Seen, den Lake Wanaka und den Lake Hawea.
  • Mount Alfred, Glenorchy: Der Mount Alfred wird als Geheimtipp gehandelt. Während die meisten Touristen auf den Ben Lomond steigen, um von oben einen Blick auf den Lake Wakatipu zu werfen, würde ich dem Mount Alfred den Vorzug geben. Der Weg führt anfangs durch Buchenwald, oberhalb der Waldgrenze öffnet sich dann der Blick auf die Südalpen, den Dart River und den Lake Wakatipu. Steht für das nächste Mal an!

Warum auch ihr zum Wandern nach Neuseeland reisen solltet

#1 Wandern durch atemberaubende Landschaften

Vielfalt statt Superlative ist die Devise in Neuseeland. Die Landschaft Neuseelands ist atemberaubend schön, aber höhere Berge lassen sich andernorts erklimmen. Wer die weißesten Strände, den größten Regenwald, die höchste Sanddüne sucht, fährt woanders hin. Euch ist Vielfalt wichtiger als „Höher-Größer-Weiter“? Dann werdet ihr beim Wandern in Neuseeland aus dem Staunen nicht herauskommen. Gletscher und Vulkane, Regenwald und Dünenlandschaften, Strände und Buchten, Höhlen und Schluchten – wer kommt bei einer solchen Vielfalt nicht ins Schwärmen?

#2 Tierische Begegnungen beim Wandern in Neuseeland

Bei einem gemütlichen Strandspaziergang auf Neuseelands Südinsel trefft ihr auf Pinguine, Robben und Seelöwen. Auf der Nordinsel könnt ihr zur Tölpelkolonie am Muriwai Beach wandern. Eine Wanderung durch das Weideland führt euch an den populärsten – und auch liebenswertesten – Nutztieren von Neuseeland vorbei. Die Rede ist natürlich von den Schafen.

#3 Wandern durch Neuseelands bunte Vegetation

Beim Wandern in Neuseeland könnt ihr die rot-gelbe Feuerlilie bestaunen, den süßen Duft der Lupinen einatmen oder bei einer Wanderung durch den Regenwald die Pongas schütteln. Wenn ihr in der Weihnachtszeit in Neuseeland unterwegs seid, könnt ihr den Pohutukawa, den neuseeländischen Weihnachtsbaum, in seinem schönsten Rot bewundern.

Welche Wanderung ist euer Highlight in  Neuseeland? Welche Tageswanderungen müssen fürs nächste Mal auf meine Wanderliste? Verratet es uns in den Kommentaren!