Ein alter Schmugglerweg verbindet das Vinschgau mit dem Engadin. Bis ins Jahr 1964 waren in der Nähe der Grenze zwischen Italien und der Schweiz, bei der Alten Pforzheimer Hütte, italienische Finanzbeamte stationiert, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Dann brannte die Hütte aus. Und der einstige Pfad der Wilderer und Schmuggler wurde über die Jahre zu einem beliebten Wanderweg und einer noch beliebteren Mountainbike-Route. Das Besondere am Weg: Er wurde direkt in die Felswand geschlagen, die hoch über der Schlucht verläuft. Auch wir folgen den Spuren der Schmuggler und durchwandern die Uina Schlucht.

Start unserer Tour ist in Schlinig, einem Bergdorf auf 1.740 Metern Höhe. Den ersten Teil unserer Wanderung durch die Uina Schlucht, vorbei an der Schliniger Alm hoch zur Alten Pforzheimer Hütte, kennen wir bereits von unserer Wanderung zum Furkelsee. Doch heute folgen wir nicht dem Weg bergan Richtung Föllakopf, sondern dem Weg mit Mark. 18, der uns geradewegs zum Schlinigpass und zur Schweizer Grenze führt. Nach den ersten 550 Höhenmetern von Schlinig zur Alten Pforzheimer Hütte führt nun der Weg ohne nennenswerte Steigungen weiter. Vorbei an einigen Wasserspiegeln passieren wir ein wunderbares Hochmoor. Ein paar Hundert Meter vor der Schweizer Grenze überqueren wir den Schlinigpass, der als solcher kaum erkennbar ist. Das Besondere am Pass: Es handelt sich hier um eine Wasserscheide. Südöstlich des Passes, auf der Südtiroler Seite, fließt das Wasser in die Etsch und weiter Richtung Adria. In nordwestlicher Richtung, auf Schweizer Seite, fließt der Fluss Uina über Inn und Donau ins Schwarze Meer.

Almwiesen bei der Alten Pforzheimer Hütte

Auf dem Weg zur Alten Pforzheimer Hütte

Alte Pforzheimer Hütte

Kleiner See bei der Alten Pforzheimer Hütte

Hochmoor zwischen Vinschgau und Engadin

Hochmoor zwischen Vinschgau und Engadin

Die Schweizer Grenze ist unspektakulär: Wir überschreiten sie beinahe unbemerkt bei einem Weidezaun und einer kniehohen Mauer. Nur ein Grenzstein weist darauf hin, dass wir Italien verlassen und die Schweiz betreten. Bei der Grenze geht es für uns erst mal ein paar Höhenmeter bergab, bis wir am Eingang zur Uina Schlucht stehen.

Felsenweg Uina Schlucht

Am Anfang des Weges, der etwa 600 Meter lang ist, ist mir etwas mulmig zumute. Senkrecht fällt die steile Felswand zur Schlucht hin ab. Doch der Weg ist gut gesichert: Auf der Seite der Schlucht begrenzt ein Geländer den Weg und bei der Felswand bietet ein Drahtseil Halt. Am Ende der Uina Schlucht warten noch zwei kurze Tunnels. Eine Bank lädt zum Verweilen ein und bietet einen schönen Blick über das Val d’Uina, das Uinatal, ein Seitental des Unterengadins. Von hier würde der Weg weiter zum Hof Uina Dadaint und nach Sur En führen. Wir entscheiden uns aber, hier umzukehren. Den spektakulären Felsenweg durchwandere ich gerne ein zweites Mal. Ich wage mich jetzt auch an den Rand der Schlucht, die Anfang des 20. Jahrhunderts in den Fels gesprengt wurde. Das Geländer schenkt Sicherheit. Durch die Uina Schlucht geht es zurück zur Alten Pforzheimer Hütte: Sie beherbergt seit 2015 die Ausstellung „Zollfreie Zone!?“ zum Thema Schmuggel im Grenzgebiet zwischen Schweiz und Italien. Bei der Sesvennahütte kehren wir ein, bevor es zurück nach Schlinig geht.

In der Uina Schlucht

Auf dem Weg durch die Uina Schlucht

Uinaschlucht

In die Felswand geschlagen: die Uinaschlucht

Alter Schmugglerpfad: die Uina Schlucht

Auf alten Schmugglerpfaden zwischen Italien und der Schweiz

Mountainbiker in der Uina Schlucht

Mountainbiker müssen ihr Bike durch die Uina Schlucht schieben.

Alte Pforzheimer Hütte

Zurück bei der Alten Pforzheimer Hütte

Die Wanderung durch die Uinaschlucht im Detail

Tourdaten: 18 Kilometer, 900 Höhenmeter, 6 h

Alternative Wanderungen:

  1. Wanderung von Schlinig über den Schlinigpass zur Uina Schlucht und weiter über den Hof Uina Dadaint nach Sur En, Rückfahrt mit dem Bus: Zuerst mit dem Postauto von Sur En nach Scuol-Tarasp (Linie 923), von dort mit der Linie 921 Richtung Samnaun-Dorf bis zur Haltestelle „Martina, cunfin“, mit der Linie 273 weiter bis zum Bahnhof in Mals. Von Mals mit der SAD-Linie 277 nach Schlinig (Fahrten nur im Sommer). Zur Fahrplansuche: Postauto und SAD-Linie
  2. Von Mals mit dem Watles Sessellift zur Platapatsch Hütte und über den Sesvenna Höhenweg (Mark. 8A) in geringer Steigung (ca. 200 Höhenmeter) zur Alten Pforzheimer Hütte. Von hier wiederum über Schlinigpass zur Uina Schlucht

Einkehrmöglichkeiten: Schliniger Alm, Sesvennahütte (wer weiter wandert, kann auch im Hof Uina Dadaint einkehren)

Touren in der Nähe: Furkelsee

Die schönsten Foto-Spots: Alte Pforzheimer Hütte mit Bergsee, Hochmoor mit Wasserspiegeln und natürlich die Uina Schlucht selbst

Beste Zeit: Sommer – Herbst (bis zum ersten Schneefall)