Die Fotos schauen einfach zu idyllisch aus: Die Bergkette der Kalkkögel spiegelt sich im Salfeinssee, bei Sonnenauf- oder –untergang oder einfach an einem sonnigen Tag. Diesen Moment möchte ich auch erleben, am Ufer des Sees sitzen, über das Wasser blicken und sehen, wie der Salfeinssee seine Umgebung reflektiert.

Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Bergseen liebe. Wenn ich eine Wanderung plane, durchforste ich Tourenportale, Blogs und Instagram auf der Suche nach schönen und einsam gelegenen Bergseen. Türkis wie der Sorapiss See, mit einer schönen Spiegelung wie die Bödenseen bei den Drei Zinnen oder eingebettet in eine atemberaubende Landschaft wie der Furkelsee, ich kann mich an der Schönheit der Bergseen einfach nicht sattsehen. Beim Salfeinssee lockt mich das Spiegelbild der Kalkkögel.

Wanderung zum Salfeinssee

Bevor wir unsere Wanderung zum Salfeinssee, auch Schönangerl See genannt, starten können, wartet eine Anreise aus dem Süden, über den Brenner und vorbei an Innsbruck bis ins kleine Örtchen Grinzens. Von dort führt eine kostenpflichtige Mautstraße durch das Senderstal bis zum Parkplatz Kaserl. Die Kosten liegen bei 3 Euro pro Tag bzw. bei 5 Euro für 7 Tage. Tipp: Steckt genug 1- und 2-Euro-Münzen bzw. 50-Cent-Stücke ein, da der Automat nur diese Münzen annimmt.

Nebel umhüllt uns, als wir beim Parkplatz Kaserl losstarten. Wir wandern zuerst über eine kleine Brücke, dann auf einem Forstweg, bei der ersten Kehre wählen wir die etwas steilere Abkürzung durch den Wald hinauf zur Salfeins Alm. Der Weg durch den Wald hat sich nach den Regenfällen der letzten Nacht in ein kleines Rinnsal verwandelt. Ziemlich matschig führt der Weg aufwärts, ab der Alm wird der Weg trockener und auch landschaftlich reizvoller. Wir kommen an ein paar weidenden Kühen vorbei. Die Landschaft öffnet sich. Statt durch Wald wandern wir jetzt über Almwiesen. Lärchen flankieren unseren Weg. Noch immer aber hüllt sich die Landschaft in Nebel und langsam, langsam befürchte ich, dass wir für unsere Wanderung zum Salfeinssee den falschen Tag gewählt haben.

Salfeinssee: See oder Tümpel?

Salfeinssee mit Kalkkögel

Der Nebel lichtet sich am Salfeinssee.

Wir erreichen den Salfeinssee im Nebel. An einen See erinnert hier wenig. Der See hat mehr Ähnlichkeit mit einer Lacke oder einem Tümpel. Wir wollen uns auf die Suche nach dem „richtigen“ See machen, doch dann vermuten wir doch, dass wir unser Ziel bereits erreicht haben. Ein Schild zeigt an, dass Campieren hier verboten ist, dieses Verbot wird wohl nicht ganz so genau genommen, wie Reste eines Lagerfeuers und Bilder auf Instagram zeigen. In der Nähe des Sees liegen ein paar Kühe im Gras und wir wandern noch bis zum 2.000 Meter hohen Salfeins. Wieder am See, ist uns das Wetterglück hold. Der Nebel lichtet sich und die Kalkkögel spiegeln sich im Salfeinssee. Wieder einmal hat mich das Wandern in den Bergen eines gelehrt: Was wir sehen und wie wir etwas wahrnehmen, hängt nicht nur von unserer Umgebung ab, sondern auch von unserer Perspektive. Es ist dieses Bilderbuchmotiv, das dem kleinen „See“ zu Berühmtheit verholfen hat. Völlig zu Recht!

Vom Salfeinssee auf den Grießkogel

Vom Salfeinssee auf den Grießkogel

Wunderbare Landschaft zwischen Salfeinssee und Grießkogel

Vom Salfeinssee könnte man wieder zurück zum Parkplatz wandern. Man könnte, sollte man aber nicht. Viel, viel schöner ist es, über den Kamm hinauf auf den Grießkogel zu laufen. Unter uns ziehen Wolken und Nebel dahin, manchmal werden wir auch wieder vom Nebel umhüllt. Rosa blüht die Erika, violett die Glockenblumen, dazwischen wachsen kleine Zirbenbäumchen. Unser Blick fällt auf die Bergspitzen, die sich über den Nebelschaden erheben. Wieder und wieder muss ich stehenbleiben, um diese Aussicht zu genießen. Vom Grießkogel könnte man über Breitschwemmkogel und Angerbergkopf weiter zum Schaflegerkogel wandern, das lässt bei uns die Zeit leider nicht zu. Etwas steil steigen wir zwischen Grießkogel und Breitschwemmkogel Richtung Kemater Alm ab. Die grünen Hänge sind von Alpenrosensträuchern übersät. Wie schön müsste es sein, die Alpenrosen im Juni in voller Blüte zu erleben!

Beim Leger teilt sich der Weg: Hier kann man entweder weiter zur Kemater Alm oder zurück zur Salfeins Alm wandern. Wir entscheiden uns für den Rückweg über die Salfeins Alm, die uns über einen schmalen Waldpfad in leichtem Auf und Ab zur Alm bringt. Für den Rückweg Wählen wir den breiten Forstweg, die Abkürzung durch den Wald lassen wir links liegen.

Fazit: So schön sich die Kalkkögel auch im Salfeinssee spiegeln, dieses Mal war es nicht der See, der mich am meisten faszinierte. Ich möchte noch einmal über den Kamm wandern, das nächste Mal allerdings bis zum Schaflegerkogel und meinen Blick in alle Himmelsrichtungen schweifen lassen. Ich möchte an einem Frühsommertag die leuchtenden Alpenrosen genießen oder an einem klaren Herbsttag die frische Luft in mich aufsaugen.

Wanderweg zwischen Salfeinssee und Grießkogel

Auf dem Wanderweg zum Grießkogel

Rundwanderung Salfeinssee Grießkogel

Innehalten, schauen und staunen

Rundwanderung Salfeinssee

Atemberaubend schön: der Weg zurück ins Tal

Die Tour zum Salfeinssee im Detail

Kennzahlen der Tour: 770 Höhenmeter, 9 Kilometer, 4 Stunden

Einkehrmöglichkeiten: unterwegs keine. Wer zur Kemater Alm anstatt zur Salfeinsalm absteigt, kann da einkehren.

Schönste Fotospots: Salfeinssee mit Kalkkögel und Wanderweg entlang des Kamms

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Stürmisch schön: Bei den Pfitscher Joch Seen

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