Perle de la France, Perle Frankreichs, steht bei der Einfahrt nach Menton. Warum, das zeigt sich auf den ersten Blick. Dichtgedrängt stehen die bunten Häuser, in Gelb, Ocker und Terrakotta. Bunt sind auch die Türen und Fensterläden. Die engen Gassen spenden Schatten vor der Sommersonne. Die meisten anderen Touristen, die es in die Stadt gezogen hat, ziehen einen Tag am Strand vor. So können wir in Ruhe die verwinkelten Gassen durchziehen. Wie ein Labyrinth mutet die Altstadt von Menton an. Wo wir gerade entlang laufen, können wir nicht sagen, nur aufwärts, Richtung Basilika und Richtung alten Friedhof, dem Cimetière du Vieux-Château. Die Gassen erinnern mich an das mittelalterliche Genua, auch der Geruch, der über Menton hängt erinnert an die italienische Hafenstadt.

Menton

Friedhöfe liegen oft an den schönsten Aussichtsplätzen, klingen mir die Worte meines Vaters im Ohr, als wir den „Friedhof des Alten Schlosses“ erreichen und über die roten Ziegeldächer von Menton hinweg auf die Küste blicken. Über die Basilika und den wunderschön gepflasterten Platz gehen wir den Hang, auf dem sich die Häuser Mentons auftürmen, abwärts.

Friedhof Menton

Menton: Zitronig-frisch, touristisch, bunt

Menton zeigt sich nun von seiner zweiten Seite: der touristischen. Souvenirläden reihen sich aneinander, dominiert vor allem von der Zitrone. Hier gibt es alles, was sich aus der gelben Frucht herstellen lässt: Eau de Parfum und Seife, Citronade und Zitruskekse, Zitronenhonig und eine spezielle Süßigkeit, die wie eine Zitronen-Mandorlata anmutet. Natürlich muss ich gleich zugreifen. Einmal im Jahr, zwischen Februar und März, findet in der Stadt, die sich auf Citron reimt, das berühmte Zitronenfest statt.

Zur Mittagszeit füllen sich die Restaurants. Die Menüs ähneln sich und werden von Fisch und Meeresfrüchten bestimmt. Wir bestellen ein Menü bestehend aus einem Salat, einem Goldbrassenfilet und einem Dessert. Kaum legen wir die Gabel aus der Hand, sollen wir aber auch bitte gleich zahlen und den Platz für die nächsten Gäste freigeben. Das mache ich gerne. So fühle ich mich auch nicht mehr wohl.

Wir flanieren weiter: Souvenirläden, Eisstände und Creperies wechseln sich ab. Unser nächstes Ziel: der Hafen. Auf unserem Weg zum Hafen passieren wir eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt: Das Musée Jean Cocteau ist in einem alten Fort untergebracht und beherbergt eine Galerie mit Werken des Künstlers. Vor Anker liegen Segelschiffe und luxuriöse Yachten, dahinter präsentiert sich Menton von seiner schönsten Seite. Menton mag nicht so touristisch sein wie Cannes, Nizza oder Saint Tropez, ein Geheimtipp ist die Stadt aber sicher nicht.

Menton

Menton ist der östlichste Ort der Côte d’Azur und liegt nur vier Kilometer hinter der italienisch-französischen Grenze. Der Ort ist relativ überschaubar: Ein paar Stunden reichen, um das kleine Städtchen zu erkunden.

Cap Martin

Wir machen noch einen Abstecher nach Roquebrune-Cap-Martin, das nur vier Kilometer entfernt liegt. Noch vor 150 Jahren war Cap Martin ebenso wie Menton beinahe unbekannt, dann machte ihn der europäische Adel weltberühmt. Unter anderem verbrachte auch Kaiserin Elisabeth Ende des 19. Jahrhunderts drei Winteraufenthalte an der französischen Riviera. Anziehend fand die Aristokratie das milde Klima im Winter. Heute verbindet ein Küstenwanderweg Cap Martin mit dem mondänen Monte Carlo. Eine Stunde und 45 Minuten zeigt das Wanderschild. Wir laufen ein Stück des Weges, was in der sommerlichen Nachmittagshitze keine gute Idee ist.

Übrigens: Cap Martin hatte mit Kaiserin Elisabeth nicht nur einen berühmten Gast, hier fand auch der Architekt Le Corbusier (er bezeichnete die Dolomiten als schönstes Bauwerk der Welt, „les plus belles constructions du monde“) seine letzte Ruhe.

Côte d’Azur: Ein Blick in die Vergangenheit

Mein erster Besuch an der Côte d’Azur geht auf meine Schulzeit zurück. Eine Woche lang wohnten wir bei einer Gastfamilie, besuchten in Cannes eine Sprachschule und machten an den Nachmittagen Ausflüge in die Umgebung: nach St. Tropez und Nizza, aber auch zu den kleinen Orten Antibes, Grasse und Saint-Paul-de-Vence. Mit Cannes wurde ich nicht warm, den Ausflug nach Saint Tropez hätten wir uns sparen können, aber in die kleinen Orte der Provence habe ich mich sofort verliebt. Liebe auf den ersten Blick war es auch mit Menton. Für einen nächsten Besuch würde ich als Reisezeit den Frühling oder Herbst vorziehen, wenn sich das Wetter noch nicht von seiner hochsommerlichen Seite zeigt und milde Tage Spaziergänge möglich machen.