Auf der Fahrt von Südtirol südwärts fällt mein Blick zu den felsigen Hängen des Monte Baldo. Eine kleine Kirche scheint am Felsen zu kleben. Was hat Menschen dazu veranlasst, an diesem unzugänglich wirkenden Ort eine Kirche aufzustellen? Doch der Weg führt weiter, Richtung Gardasee. Das Kirchlein Madonna della Corona behält sein Geheimnis für sich. Ohnehin scheint es wohl keinen für mich akzeptablen Weg zum Kirchlein zu geben, der keine Kletterkünste voraussetzt.

In Wirklichkeit führt ein nur 15-minutiger Fußweg vom Ort Spiazza zum Kirchlein von Madonna della Corona, so der Name der Wallfahrtsstätte. Als ich von diesem Weg erfahre, steht fest: Da muss ich hin! Der Weg südwärts führt uns dieses Mal nicht an den Gardasee, sondern nur bis zur Autobahnausfahrt Affi. Von Affi sind es noch einmal etwa 20 Fahrminuten hinauf nach Spiazza. Nicht nur uns hat es an diesem italienischen Nationalfeiertag, dem Tag der Republik am 2. Juni, an den Wallfahrtsort Madonna della Corona verschlagen: Familien, Paare und alte Leute machen sich auf dem Weg zur Kirche, ob nun aus religiösen Gründen oder einfach, weil sie das Geheimnis der Kirche im Fels lüften wollen.

Von der Legende rund um Madonna della Corona

Es ist schwül. Wie ein Schleier legt sich der Dunst über die Landschaft. Wir suchen den Schatten und wählen als Weg nicht die Straße, sondern die Abkürzung über einen schmalen Waldweg. Beim Wallfahrtsort angekommen, führt ein Tunnel durch den Fels und direkt zu den Stufen, die zur Madonna della Corona hinaufführen. Im Inneren findet sich kaum ein Plätzchen zum Stehen. Gerade wird ein Gottesdienst zu Ehren der Madonna gefeiert. Der Legende nach, die sich um Madonna della Corona rankt, sollen Engel eine Marienstatue aus Rhodos an diesen Ort gebracht haben. Mitten in den Felsen erklangen Melodien und ein Licht erstrahlte. Doch unzugänglich wie der Ort mitten in den Felsen war, holten die Bewohner die Marienstatue mithilfe von Seilen herauf. Am nächsten Morgen war die Statue aber wieder mitten in den Felsen. Und an dieser Stelle errichteten die Bewohner die Wallfahrtskirche Madonna della Corona.

Die Westseite der Kirche Madonna della Corona klebt am Fels: Hier fehlt eine gemauerte Wand. Der Blick fällt direkt auf die Felswände des Monte Baldo. Und der Fels ist es, der diesem gotischen Kirchlein seinen Reiz verleiht.