Sankt Magdalena in Villnöß mit den Geislern im Hintergrund, der Karersee und der Pragser Wildsee haben eines gemeinsam: Sie werden tausendfach auf Instagram gepostet, gelikt und kommentiert. Und: Sie sind einfach und bequem mit dem Auto erreichbar. Je öfter Fotos dieser Top Instagram Spots in Südtirol geteilt werden, desto mehr Besucher ziehen sie an. Denn wenn wir ehrlich sind, suchen wir im Urlaub nur bedingt nach Geheimtipps. Viel lieber sehen wir selbst das mit eigenen Augen, was wir schon tausendfach in den sozialen Medien gesehen haben. Davon nehme ich mich auch gar nicht aus: Vor meiner Neuseeland Reise sind die Wanderung auf den Roys Peak, die Hokitika Gorge und die Church of the Good Shepherd durch Instagram auf meine Must-See-Liste gewandert. Wir wollen, auch wenn wir uns das nicht gerne eingestehen, mehr vom selben.

Instagram Top Spots in Südtirol: #1 Sankt Magdalena in Villnöß


Sankt Magdalena mit den charakteristischen Geislerspitzen ist ein Bilderbuchmotiv. Auch ich mache mich an einem sonnigen Herbstnachmittag auf den Weg und spaziere von Sankt Magdalena zum idyllischen Kirchlein und weiter zum Panoramaweg. Ich komme an einem Gäste-Paar vorbei. Immer wieder bleiben die beiden stehen, genießen die Aussicht, machen ein Foto. Die Frau schwärmt: „So etwas haben wir noch nie gesehen“. Wie gut kann ich sie verstehen! Auch ich genieße entlang des kleinen Wanderweges immer wieder den Blick auf die Geisler. Noch ist es relativ früh am Nachmittag und es sind kaum Wanderer unterwegs. Doch das Bild ändert sich bald.

Gruppen von Hobbyfotografen und Touristen lassen sich in Kleinbussen direkt zum perfekten Foto-Spot (einem herbstlich verfärbten Kirschbaum) bringen. Die Busse parken in den Wiesen und Feldern der Bauern, die Besucher steigen aus und eilen mit ihren Stativen dem Kirschbaum entgegen – wieder durch die Wiesen und Felder der Bauern. Einer lässt seine Drohne steigen. Ihr Surren stört die Ruhe des Platzes. Überhaupt bin ich kein Fan von Drohnenaufnahmen – aus zwei weiteren Gründen: Wer eine Drohne steigen lässt, muss eine Prüfung ablegen (jedenfalls in Italien) und ich bezweifle stark, dass alle, die eine Drohne steigen lassen, die entsprechende Erlaubnis vorweisen können. Ich selbst mache auch gerne Fotos, aber ich will mit meinen Fotos meine Erinnerungen festhalten, Dinge, die ich genauso selbst gesehen habe. Und das ist bei einer Drohne nicht der Fall.

Verstehen kann ich die vielen Touristen an diesem Nachmittag nicht: Sie nehmen sich nicht die Zeit für eine kurze Wanderung. Sie nehmen sich auch nicht die Zeit, für eine Minute einfach dieses Panorama auf sich wirken zu lassen. Dafür laufen sie ungefragt und ungebeten über Wiesen und Felder. Für den Ort selbst ist die Wertschöpfung solcher Touris gleich Null.

Instagram Top Spots in Südtirol: #2 Karersee


Im Oktober war ich das vierte Mal beim Karersee. Wie immer zieht der pittoreske See, in dessen smaragdgrün schimmerndem Wasser sich der Latemar spiegelt, viele Menschen an. Er liegt direkt neben der Straße und ein Zwischenstopp unterwegs bietet sich an. Trotzdem nehmen sich hier, anders als in St. Magdalena, viele Zeit für die kurze Rundwanderung um den See. Das erste Mal aber beobachte ich, wie Besucher einfach über den hölzernen Zaun steigen, der den Karersee umgibt.

Entlang des Holzzauns ist immer wieder der Hinweis angebracht, dass das Übersteigen des Zauns verboten ist – zugegeben nur auf Deutsch und Italienisch. Trotzdem kann man ahnen, dass ein Verbot dahintersteckt, wenn von den vielen anderen Besuchern alle auf dem Weg bleiben und nicht zum Ufer des Sees spazieren. Jedenfalls so lange, bis der erste über den Zaun steigt. Denn dann folgen weitere, nach dem Motto: Wenn er, dann ich aber auch. Ich kann es ihnen noch nicht einmal verübeln.

Top Instagrammer posten auf ihren Accounts Fotos eines Menschen, der allein und einsam am Ufer des Karersees steht. Ich frage mich bei diesen Bildern immer, ob sie eine Sondergenehmigung vom Naturpark haben oder ob sie sich einfach nicht an das Verbot halten. Was tut man schließlich nicht alles für das perfekte Foto? So oder so ist es nicht okay. Es ist nicht okay, mit Instagram-Bildern zu suggerieren, dass man sich einfach über Regeln hinwegsetzen kann. Es ist auch nicht okay, den Usern das Gefühl zu geben, dass man den Karersee genau so selbst erleben kann.

Instagram Top Spots in Südtirol: #3 Pragser Wildsee


Können Menschenmassen die Schönheit der Natur schmälern? Nein. Und doch ist ein Ausflug zum Pragser Wildsee im August, zur Zeit von Ferragosto, etwas, das ich mir nicht antun müsste. Fast Hunderttausend Fotos sind auf Instagram mit #pragserwildsee und #lagodibraies getaggt. Der Pragser Wildsee ist nicht nur ein Instagram-Highlight, sondern auch Schauplatz der italienischen Mini-Fernsehserie „Un passo dal cielo“ („Ganz nah am Himmel“) mit Terence Hill.

Spätestens um 9.00 Uhr füllt sich der Parkplatz am Pragser Wildsee mit Privatautos und Reisebussen, die Touristen en masse ausspucken. Am Ufer des Sees herrscht ein ungeduldiges Drängeln, alle wollen ein Foto vom selben Motiv: der smaragdgrün bis türkisblau schimmernde See mit Seekofel und Boot/Bootshaus.

Einmal im Leben den Pragser Wildsee selbst sehen, das ist ein Wunsch, den ich gut nachvollziehen kann. In meiner Kindheit war ich oft beim Pragser Wildsee und erst vor kurzem habe ich meinen Vater gefragt, ob der See früher auch schon ein solcher Touristenmagnet war. Die Schönheit eines Ortes spricht sich herum, das war auch früher schon so. Nur hat sich in der Zeit von Instagram, Facebook & Co. die Reichweite geändert. Unwillkürlich steigt beim Blick auf die Menschenmassen die Frage auf: Wie viel Tourismus verträgt ein Ort?

Dieser Post soll keine Moralpredigt sein, vielmehr ein Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit der Natur. Bitte fragt euch einfach, bevor ihr durch Wiesen und Felder der Bauern läuft und über Zäune steigt, wie es wäre, wenn sich alle so verhalten würden. Ich verstehe den Wunsch nach dem perfekten Foto, aber ich verspreche euch, dass ihr auch traumhafte Fotos machen könnt, wenn ihr auf den Wegen bleibt.

Ich will euch auch nicht davon abhalten, diese drei Instagram Spots in Südtirol zu besuchen. Sie sind schön und einzigartig – wer möchte sie nicht sehen? Es gibt aber auch Alternativen zum „mehr vom selben“. Der Vernagter Stausee im Schnalstal ist gerade im Herbst ein Hingucker: Er ist von Lärchen umgeben, Wald und Berge spiegeln sich im klaren Wasser. Ein idyllisches Herbstbild bietet auch der Weißbrunnsee im hintersten Ultental. Und wenn ihr nicht auf die Kombination See + Dolomitengipfel verzichten wollt, dann ist auch der Völser Weiher ein guter Tipp für euch. Geheimtipps sind auch diese drei Seen nicht, aber sie sind weniger überlaufen als Pragser Wildsee & Co.

Sucht auch ihr im Urlaub mehr vom selben? Was haltet ihr vom „Klick und weg“-Tourismus, wie der lokale Nachrichtensender Rai Südtirol das Sankt-Magdalena-Phänomen nennt?

Auf Instagram posten wir Fotos unserer Lieblingsspots in Südtirol. Schaut gerne vorbei!