Bussana Vecchia ist ein Dorf, das offiziell nicht existiert. 1887 zerstörte ein Erdbeben den Ort im Hinterland der ligurischen Küste, rund 2.000 Menschen starben. Die Überlebenden bauten unterhalb des zerstörten Dorfes ein neues Bussana auf. Bussana Vecchia wurde zum Geisterort. Bis 1960 Hippies, Aussteiger und Künstler das alte Bussana für sich entdeckten. Sie hauchten dem verlassenen, zerstörten Dorf neues Leben ein, wenn auch illegal.

Bussana Vecchia: Das Künstlerdorf ist voller schöner Ecken

Heute ist Bussana Vecchia ein märchenhafter Ort, der nur zum Teil wieder aufgebaut wurde. In den Wohnungen leben Künstler und Aussteiger, einige Räume beherbergen Ateliers – mit Gemälden, Schmuck, Kunsthandwerk und auch ein bisschen Krimskrams. In den Gassen spielen die Kinder. Abends treffen sich die Bewohner von Bussana Vecchia auf ein Feierabendbier oder ein Aperitivo in der Piazzetta Golosa, einer Mischung aus Café und Bar am Eingang des Ortes.

Bussana Vecchia

Bussana Vecchia ist ein überschaubarer Ort, mit verwinkelten Gassen, schönen Ecken und vor allem viel, viel Charme. Bussana Vecchia ist einer dieser Orte, an denen ich mich sofort zu Hause fühle. Ich mag die mittelalterlichen Gemäuer, die Zeichen des Verfalls, die Farben des Frühsommers. Vor allem aber liebe ich das entspannte, das alternative Leben: fernab der Stadt, ohne Vorstellung, wie ein Leben sein sollte. Der italienische Staat sieht das anders und so mag der Schein von entspannter Idylle trügen. Denn ein Dorn im Auge ist ihm der illegale, nicht Miete zahlende Einwohner von Bussana Vecchia doch. Gleichzeitig weiß der Staat auch um die touristische Anziehungskraft des Ortes. Ein Dilemma.

Bussana Vecchia

Als Besucher bekommen wir davon nicht viel mit. Ursprünglich ist unser Plan, nur kurz durch die Gassen zu schlendern und in einem der Restaurants zu Abend zu essen. Doch dann bleiben wir zwei Nächte, beziehen eine wunderbare, kleine Wohnung mit Dachterrasse und Blick über das Hinterland bis zur Küste und fühlen uns wie zuhause. Abends essen wir mal im La casaccia, mal in der Osteria degli Artisti. Es gibt Grillspezialitäten, Panissa (eine Vorspeise aus frittiertem Kichererbsenmehl – unbedingt probieren, wenn ihr in der Nähe seid), Trofie al pesto und natürlich Tintenfisch, Garnelen und Co.

Hotels gibt es in Bussana Vecchia keine, dafür süße Ferienwohnungen. Unsere Wohnung erstreckt sich auf mehreren Ebenen, zum Teil versetzt, mit runden Räumen. „Un appartamentino speciale“, schwärmt Paola, unsere Vermieterin. Und wir schwärmen mit. Normalerweise hat bei mir die Unterkunft im Urlaub nicht Priorität. Ich bin eher der Typ: „Ich verbringe nur die Nacht im Zimmer, warum also viel Geld ausgeben?“ Viel Geld geben wir für unsere Ferienwohnung aber nicht aus und wunderschön ist sie außerdem.

Parkplätze gibt es in Bussana Vecchia ebenso wenig wie Hotels. Man parkt einfach neben der Straße, kurz vor dem Dorf, wo gerade ein Plätzchen frei ist.

In Bussana Vecchia ist eben alles etwas anders – und genau das macht auch den Reiz dieses Ortes aus.

Bussana Vecchia

Tipps für Bussana Vecchia

Wo essen?

In einem der drei Restaurants von Bussana Vecchia. Grillspezialitäten (Angus und Kobe Filets, Burger, Grill/Ofenkartoffeln, Rippen) in der La casaccia, Meeresfrüchte und Nudelgerichte in der Osteria degli artisti oder vegetarische Biogerichte im Apriti sesamo (bei unserem Besuch abends leider geschlossen). Frühstück und kleine Häppchen gibt’s auch in der Piazzetta Golosa.

Wo schlafen?

In einer Ferienwohnung, die ihr direkt vor Ort mieten könnt (in der Hochsaison besser im Voraus reservieren). Wir haben für unsere Wohnung (Schlafzimmer, Bad, Küche, einem kleinen Salotto, Wohnzimmer und zwei Dachterrassen) 80 Euro pro Nacht bezahlt. Zutaten für ein Frühstück all’italiana sind inklusive.

Was anschauen?

Die Ateliers und Geschäfte, die Ruinen der barocken Kirche und einfach die schönen Gässchen von Bussana Vecchia: alles sehenswert!

Die Kirchenruine von Bussana Vecchia

Bussana Vecchia… und dann wohin?

Bussana Vecchia liegt nur wenige Kilometer entfernt von San Remo, das sich vor allem mit dem jährlich stattfindenden Musikfestival einen Namen gemacht hat. Eine Promenade, der Corso dell’Imperatrice, führt am Strand der Blumenriviera entlang. Wir fahren weiter nach Bordighera, weil wir von hier aus zu einer Whalewatching Tour aufbrechen wollen, die aber leider wegen Wind abgesagt wird.
Bordighera

Sehr schön ist auch Seborga, „uno dei Borghi più belli d’Italia“  – auf jeden Fall einen Abstecher wert!

Der Dorfplatz in Seborga

Und auch bis Menton, dem farbenfrohen Städtchen an der französischen Riviera, sind es von Bussana Vecchia mit dem Auto nur 50 Minuten. Etwas weiter entfernt liegt Genua, die absolut sehenswerte Hauptstadt Liguriens.