Am schönsten ist Bassano del Grappa am Ufer des Brenta-Flusses. Andere venezianische Städte mögen imposantere Palazzi, buntere Häuser und weit mehr Kanäle und Brücken haben, Bassano del Grappa hat sein eigenes Flair. Nicht einzelne Sehenswürdigkeiten machen den Reiz der Stadt aus, sondern der Gesamteindruck.

Die Stimmung eines lauen Sommerabends liegt über der Stadt: Die Menschen treffen sich auf der Straße, trinken einen Aperitivo oder sitzen auf der Steinmauer am Ufer des Brenta-Flusses, um – so wie wir – den Blick über die Stadt gleiten zu lassen. Dabei ist es eigentlich noch zu kalt für einen Abend im Freien, aber das kümmert hier niemanden.

So lebendig Bassano del Grappa am Abend ist, so verschlafen wirkt es am nächsten Morgen. Castello Superiore, Tempio Ossario und Torre Civica: Wir stehen bei allen Sehenswürdigkeiten vor verschlossenen Türen. Erst um 10 Uhr öffnen die meisten Sehenswürdigkeiten. Wir lassen uns treiben – schlendern durch die Straßen und laufen zwischen Marktständen umher: hier ein Bus, der zu einem Käsestand umfunktioniert wurde, dort Obst und Gemüse. Wir kommen am Palazzo Sturm vorbei, von dessen Terrasse wir einen wunderbaren Blick auf den Brenta werfen können. Und dann zieht es uns selbst wieder ans Flussufer. Fischer versuchen an diesem Samstagmorgen ihr Glück, stehen knietief im Wasser und werfen ihre Angeln aus. Wir beobachten sie, springen über die Steine und genießen ganz einfach diese wunderbare Stadt.

Bassano del Grappa, vom Palazzo Sturm aus gesehen

So schön ist Bassano del Grappa.

Bassano del Grappa: Von der Alten Brücke zur Piazza della Libertà und hinauf auf den Stadtturm

Eines der Highlights der Stadt, vielleicht sogar das Highlight, ist die Alte Brücke, heute auch Ponte degli Alpini genannt. Die überdachte Holzbrücke geht auf Pläne Andrea Palladios zurück und gilt zurecht als eine der charakteristischsten Brücken Italiens. Unser Pech: Die Brücke wird gerade restauriert. Trotz Eisengerüst lässt sich jedoch seine Schönheit erahnen.

Wie in jeder Stadt, die wir besuchen, zieht es uns auch in Bassano del Grappa auf einen Turm, um von oben die Sicht über die Stadt zu genießen. Wie viele Stufen denn nach oben führen, möchte Kathrin wissen. Tanti, viele, ist die lapidare Antwort und Anreiz für mich, nachzuzählen. 172 Stufen führen im Inneren des Turms hinauf: 152 breitere Holztreppen und 20 schmale Steintreppen. Oben angelangt, können wir den Blick über die Stadt zu unseren Füßen und die nahen Berge schweifen lassen. (Die Stadt trägt ihren Namen übrigens vom Monte Grappa, dem Berg, und nicht vom Grappa, dem Tresterbrand.)

Keine italienische Stadt ohne Piazza: Der bekannteste Platz der Stadt trägt den Namen der Freiheit, Piazza della Libertà. Doch so sehr ich die italienischen Piazze sonst auch liebe, dieser hier verschwindet zwischen all den Marktständen. Leider. Nachdem ich ohnehin kein bekennender Markt-Fan bin (auch der Fischmarkt in Hamburg konnte mich nicht überzeugen), lassen wir den Markt links liegen. Links liegen lassen wir auch die zahlreichen Museen der Stadt, die den italienischen Gebirgsjägern und den florierenden Wirtschaftszweigen, der Keramik und dem Grappa, gewidmet sind.

Städte erlebe ich am liebsten draußen. Klapperte ich früher so viele Museen, Kirchen und historische Stätten wie möglich ab, lasse ich mich heute lieber treiben – immer auf der Suche nach schönen Aussichtspunkten oder nach diesem besonderen Ort, an dem ich einfach innehalten muss. Dieser Ort befindet sich in Bassano del Grappa am Ufer des Brenta-Flusses. Hier kommt Gelassenheit auf. Hier erlebe ich die typische Bassano-Stimmung. Möglichst viele Sehenswürdigkeiten in möglichst kurzer Zeit abhaken? Fehlanzeige.

Bassano del Grappa: Am Ufer des Brenta

Bassano del Grappa: 24-Stunden-Tipps

Da Bassano del Grappa recht überschaubar ist, reichen 24 Stunden, um sich einen Überblick über die Stadt am Ufer des Brenta zu verschaffen – ohne dabei von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu hetzen. Tipps für einen Tag

Stadtrundgang durch Bassano del Grappa

Wer vom Bahnhof kommt, startet seinen Rundgang am besten bei der Torre delle Grazie. Von hier geht es über eine breite Allee, die Viale dei Martiri, Richtung Stadtzentrum. Hier stechen bereits das Castello degli Ezzelini und die Pfarrkirche, Santa Maria in Colle, ins Auge. Nach einem kurzen Abstecher geht es dann direttissima hinunter zur Alten Brücke. Auf der Brücke muss man einfach kurz stehen bleiben (auch wenn aufgrund von Instandhaltungsarbeiten davon abgeraten wird). Ein Wegweiser zeigt den Weg zum Aussichtspunkt, von wo aus sich ein wunderbarer Blick über Bassano del Grappa bietet. Es ist die Aussicht in Bassano. Über die Brücke zurück geht es dann über den Palazzo Sturm (hier unbedingt noch einmal die schöne Aussicht genießen!) und über die Via Portici Lunghi zur Piazza Libertà. Wer auf den Stadtturm hinaufsteigen will, steuert hier zuerst auf das Stadtmuseum zu, wo die Tickets für die Besichtigung verkauft werden. Der Turm ist täglich (außer dienstags) von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. Wer will, kann noch einen Abstecher zur Porta Dieda oder einer der weiteren Sehenswürdigkeiten machen. Wer genug vom Sightseeing hat, steuert eine der zahlreichen Pasticcerie an. Lecker!

Die schönsten Sehenswürdigkeiten

Wie sagte Kurt Tucholsky? „Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.“ Auf Bassano del Grappa umgemünzt heißt das dann: Die größte Sehenswürdigkeit von Bassano del Grappa ist die Stadt selbst. Einfach über die Alte Brücke schlendern, am Ufer des Brenta sitzen und die Stimmung der Stadt aufsaugen – für mich eindeutig die schönsten Momente in der Stadt. Wenn ich mich allerdings für drei Sehenswürdigkeiten entscheiden müsste, dann würde ich die Ponte degli Alpini, die Torre Civica und die Terrasse des Palazzo Sturm (wegen der Aussicht) wählen.

Wohin zum Essen?

Eine gute Frage! Mir passiert es im Urlaub ja leider recht häufig, dass ich vom Essen enttäuscht werde – so auch in Bassano del Grappa. Dabei sollte man meinen, dass man in Italien ja eigentlich nichts falsch machen kann. Mein Tipp ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Restaurant, sondern: Schaut einfach, was die Einheimischen essen! Bestellt kein Fleisch, wenn bei den Einheimischen Ravioli, Tortellini und Co. auf dem Teller liegen. Und haltet euch in Italien lieber an die reiche Auswahl der primi (Vorspeisen) als an klassische Hauptspeisen. Tipp für alle Schleckermäuler: unbedingt in einer Pasticceria vorbeischauen.

Von Bassano del Grappa nach …

Wenn die 24 Stunden in Bassano del Grappa um sind, setzt man sich am besten in den Regionalzug und steuert eine weitere venezianische Stadt an: Die Fahrt von Bassano del Grappa nach Venedig dauert 1:11 h. Und auch Vicenza, Padua oder Treviso sind mit dem Zug bequem zu erreichen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, für den bieten sich auch Abstecher nach Marostica oder Arte Sella ein. Ich kenne zwar beide Orte nicht, sie wurden mir aber von einer Freundin empfohlen und bei nächster Gelegenheit schaue ich sie mir bestimmt an.