Heute können es Bekannte kaum glauben, aber es gab die Zeit, als ich einen gemütlichen Tag auf der Couch einem Wandertag vorgezogen habe. Ich war ein kleiner Wandermuffel. Wenn ich mich zum Wandern überwinden konnte – und ja, überwinden trifft es in meinem Fall am besten – dann fand ich den Tag immer schön. Manchmal ist der erste Schritt, der Schritt vor die Tür, eben wirklich der schwerste. Aber ich bin froh, dass ich den Schritt gemacht habe, denn beim Wandern in den Bergen genieße ich nicht nur die Natur, ich habe auch viel über mich und das Leben gelernt. 23 Dinge, die ich beim Wandern in den Bergen gelernt habe

Die kleinen Dinge des Lebens sind die schönsten.

 

Krokuswiese in Südtirol

Eine Krokuswiese im Frühling: Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die mich glücklich machen.

#1 Die kleinen Dinge des Lebens sind die schönsten: In den Bergen schätze ich die kleinen Dinge des Lebens viel mehr als im Tal. Eine Blume am Wegesrand, ein Schmetterling, die frische Luft – mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein.

#2 Ich habe in meinem Leben alles, was ich brauche. Generell bin ich kein Mensch, der sehr stark an materiellen Dingen hängt. Ich freue mich mehr über eine gemeinsame Wanderung mit Freunden als über Schmuck oder technische Gadgets. Aber auch in meinem Leben gibt es die Momente, wo ich mir mehr wünschen würde: mehr Geld, mehr Komfort, mehr Wohlstand. Beim Wandern in den Bergen sehe ich, dass mich ein Mehr nicht glücklicher machen würde. Ich habe alles, was ich brauche.

#3 Der Alltag bleibt im Tal zurück. Beim Wandern sind die Sorgen des Alltags vergessen. Die kleinen Dinge unterwegs ziehen meine ganze Aufmerksamkeit auf sich, mit jedem Schritt sind Sorgen und Ärger des Alltags mehr und mehr vergessen.

#4 Ich lebe im Hier und Jetzt. Was uns heilige Schriften vermitteln wollen, was wir beim Meditieren erlernen sollen, zeigen mir die Berge ganz schnell: das Leben im Hier und Jetzt.

#5 Groß und mächtig sind die Berge, die Natur, das Universum, nicht der Mensch. Ich nehme mich und meine Probleme oft viel zu wichtig, dabei hat vieles von dem, was mich heute ärgert, schon in ein paar Tagen keine Bedeutung mehr, geschweige denn Monaten. Wenn ich mich ärgere, halte ich kurz inne und frage mich: Ist das, worüber ich mir heute Gedanken mache, auch in einem Jahr noch von Bedeutung für mich? Die Berge haben immer wieder die Kraft, alles ins richtige Verhältnis zu rücken.

#6 Mit einem Ziel vor Augen gehe ich leichter. Und mit einem Ziel meine ich nicht den Gipfel, aber ich brauche etwas, das mich motiviert und einen Schritt nach dem anderen setzen lässt, auch wenn mir mein innerer Schweinehund leise „Ich kann nicht mehr“ zuflüstert. Meine Motivation beim Wandern ist eine schöne Aussicht, mein Ziel häufig ein einsam gelegener Bergsee.

Unsere Welt ist wunderschön.

 

Peitlerkofel

Unterwegs staune ich immer wieder über die Schönheit der Natur.

#7 Unsere Welt ist wunderschön. Wenn ich unterwegs bin, beim Reisen oder beim Wandern, staune ich über die Wunder der Natur. Andere mögen von einem Flug ins Weltall träumen, mir reicht unsere Welt. Sie ist so schön, so voller Wunder, sie lässt mich Kind sein und mit weit aufgerissenen Augen dastehen und staunen.

#8 Die Natur schenkt Energie. Manchmal fühle ich mich ausgelaugt und es gibt so viele Dinge, die mir meine Energie rauben können: der Alltag, andere Menschen, Dinge, aber niemals die Natur. Ich kann nach einem Tag in den Bergen fix und fertig nach Hause kommen, aber ich stecke immer voller Energie.

#9 Alles ist eine Frage der Perspektive. Als ich früher den Schlern von der Ferne bestaunte, hielt ich ihn für unnahbar – jedenfalls für mich. Aus einem anderen Blickwinkel war er dann gar nicht mehr so unerreichbar, sondern eine Herausforderung, die ich meistern kann. So ist es auch im Leben: Manchmal scheint ein Ziel zu groß, zu unnahbar, zu fern. Dann hilft es, einfach mal die Perspektive zu wechseln.

#10 Ich suche das Echo in mir. Ich glaube ja, dass jeder von uns auf der Suche nach Erlebnissen, Begegnungen und Landschaften ist, die in seinem Inneren ein Echo auslösen. Dieses Echo spüre ich am Ufer eines Bergsees. Hier fühle ich mich angekommen.

Das Schöne bleibt.

 

Was ich beim Wandern gelernt habe. Im Bild: Landschaft am Jaufenpass

Nicht der steile Anstieg bleibt in Erinnerung, sondern die schöne Aussicht.

#11 Das Schöne bleibt. Wenn ich an eine Tour zurückdenke, dann denke ich nicht an steile Passagen und die Mühen des Aufstiegs, sondern an schöne Aussichten, besondere Momente im Einklang mit der Natur und an das Unterwegssein mit lieben Menschen. Was bleibt, ist die Erinnerung an das Schöne und Gute. So wie im Leben.

#12 Es ist nicht wenig, was ich habe, sondern viel, was ich nicht brauche. In den Bergen bin ich lieber mit einem leichten Rucksack unterwegs. Nur das, was mir wichtig ist und was ich brauche, kommt mit. Im Alltag sammle ich oft unnötigen Ballast an. Wer einen leichten Rucksack trägt, geht leichter.

#13 In der Natur finde ich mich selbst. Die äußere Natur bringt meine innere zum Vorschein. Sie zeigt mir, wie ich bin: Ich kann mich wie ein kleines Kind freuen, glücklich wie Heidi über Almwiesen laufen, alles um mich herum vergessen. Der Weg in die Natur führt zu mir selbst.

„Das Glück liegt im einfachen Leben.“

 

23 Dinge, die ich beim Wandern in den Bergen gelernt habe: Das Glück liegt im einfachen Leben.

Eine Almhütte in den Bergen – braucht es mehr zum Glücklichsein?

#14 Das Glück liegt im einfachen Leben. Unterwegs, ob auf Wandertour oder auf Reise, erlebe ich es immer wieder: Menschen finden ihr Glück in der Einfachheit. Nicht, wer viel hat, ist glücklich. Wer fühlt, dass er das hat, was er braucht, ist glücklich. Ich glaube wirklich, dass ich mein Glück in einer einfachen Almhütte mit Blumenwiese oder einer Jurte am Fluss finden könnte.

#15 Wandern macht glücklich. Manchmal starte ich missmutig zu einer Wanderung. Meine Laune ist schlecht wie das Wetter, manchmal auch wegen dem Wetter oder meine ursprünglichen Wanderpläne werden durchkreuzt und ich breche zu einer Wanderung auf, die mich wenig reizt. Immer aber bessert sich meine Laune unterwegs. Auch Nebel hat seinen Reiz. Auch eine Wanderung, die nicht auf meiner Wunschliste steht, kann bezaubernd sein. Ich muss nur die Augen offen halten.

#16 Ich finde meinen eigenen Rhythmus. Beim Wandern wie im Leben muss ich mein eigenes Tempo finden und mich nicht dadurch verunsichern lassen, wenn andere schnellen Schrittes an mir vorbeiziehen. Das Ziel zählt, der Weg zum Ziel, nicht die Geschwindigkeit.

„Die Natur ist mein Gute-Laune-Elixier.“

 

Übeltalsee

Am Ufer eines Bergsees finde ich meine Mitte.

#17 Es heißt, dass es keine Allheilmittel gibt. Die Natur ist meines. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, meine Mitte verloren habe und ich mich am liebsten irgendwo verkriechen würde, dann schafft es die Natur, mir wieder Energie zu schenken. In der Natur finde ich wieder zu mir. Zuversicht und Lebensfreude kehren zu mir zurück.

#18 Ohne Aufbruch kein Ankommen. Der erste Schritt ist oft der schwerste. Beim Wandern fällt vielleicht der Schritt vor die Haustür schon schwer. Und auch im Leben lasse ich mich oft von der Routine einlullen. Doch nur wer den ersten Schritt wagt, kann sein Ziel erreichen. Jeder Aufbruch birgt nicht nur Unsicherheit, sondern auch Vorfreude auf den Weg, der vor mir liegt.

#19 Wer in Bewegung bleibt, in dessen Leben bewegt sich auch etwas. Wenn ich inmitten meiner Wanderung stehen bleibe, werde ich mein Ziel nie erreichen. Es tut gut, beim Wandern wie im Leben manchmal innezuhalten, die Aussichten zu genießen und sich zu vergewissern, dass wir auf dem richtigen Weg sind und nicht blind in die falsche Richtung laufen. Aber: Ich darf auch nicht faul werden, wenn ich will, dass sich mein Ausblick ändert – sei es auf die Landschaft, sei es auf mein Leben.

#20 Im Wandel liegt Leben – und jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Ich bin ein Sommermädchen. Oft habe ich mir schon gewünscht, dass der Sommer länger bleibt und der Winter dafür kürzer ist. Seit ich wandere, liebe ich jede Jahreszeit. Ich warte nicht mehr ab, bis endlich wieder Sommer wird, weil jede Jahreszeit ihren Reiz hat. Ich mag den bunten Frühling, den Sommer, der mich in die Berge treibt. Ich liebe die warmen Farben und die klare Sicht des Herbstes und wenn sich im Winter eine weiße Decke über die Landschaft legt, ist das einfach magisch. Ohne Wandel auch kein Leben – und das gilt nicht nur für die Natur.

Wie ein See die Landschaft spiegelt, die ihn umgibt, so spiegelt auch unsere Umgebung uns selbst wider.

 

Fischersee

Im Wasser spiegelt sich die Landschaft, ein schönes Sinnbild für unser Leben.

#21 Wie ein See die Landschaft spiegelt, die ihn umgibt, so spiegelt auch unsere Umgebung uns selbst wider. Wenn wir andere Menschen anlächeln, dann lächeln sie zurück. So einfach ist das!

#22 Wenn mich liebe Menschen auf dem Weg begleiten, macht das Unterwegssein mehr Spaß. Mal wandere ich alleine, mal mit guten Freunden, mit der Familie oder meinem Partner. Alles hat seinen Reiz, aber schöner ist es, wenn mich liebe Menschen begleiten. Es ist schön, gemeinsam unterwegs zu sein, wunderbare Momente teilen zu können und die Sicherheit zu haben, dass im Notfall jemand da ist, der mir hilft und auf den ich bauen kann.

#23 Die Routine raubt mir die Freude an dem, was ich tue. Abwechslung beschenkt mich. Vor jeder Wanderung steht bei mir der Gedanke: Welche Wanderung reizt mich? Wo war ich noch nie? Auch wenn ich gewisse Gegenden mehrmals im Jahr besuche, brauche ich doch die Abwechslung. Ich will nicht immer und immer wieder zur selben Wanderung aufbrechen. „Die Routine ist der Feind der Zeit“, sagt Jedidiah Jenkins in „The Thousand Year Journey: Oregon To Patagonia“. Stärker in Erinnerung bleibt, was wir zum ersten Mal machen, nicht das, was wir schon Hunderte Male erlebt und gesehen haben. Diese Abwechslung brauche ich auch im Alltag.

Was hat euch die Natur gelehrt? Teilt es uns in den Kommentaren mit!